Verwaltung von eBooks

veröffentlicht am 21. September 2009
Für die Nutzung elektronischer Dokumente ist die Verwaltung der Dateien, also die Anreicherung mit Metadaten und die Strukturierung der Sammlung, von entscheidender Bedeutung. Der Blick zum erfolgreichen Apple-Modell im Musikbereich zeigt, dass am Anfang iTunes war. Nicht der iTunes Store, sondern die iTunes Software. Zunächst stand sie nur Mac-Anwendern zur Verfügung, doch folgte schon bald auch eine Version für die Windows-Plattform. Die war zwar weniger elegant, doch war sie ebenfalls kostenlos und bot dieselben Funktionalitäten. Das heisst, man konnte damit CDs rippen, die Dateien beschreiben, zu Wiedergabelisten zusammenstellen und diese Kompilationen dann wiederum auf CD brennen. Die Metadaten richteten sich nach internationalen Standards. Wenn der Rechner mit dem Internet verbunden war (damals war das noch nicht so selbstverständlich…), wurden die Metadaten der gerippten CD von einer zentralen Datenbank (GraceNote) in iTunes geladen. Mit dieser benutzerfreundlichen Software verfügte Apple einen Trumpf, der die Konkurrenz ausstach. Später wurde iTunes zur Plattform für Podcasts ausgebaut und verhalf damit diesem neuen Format zum Durchbruch. Heute dient iTunes ebenfalls als Verwaltungstool der Applikationen für das iPhone.
Und wie sieht das bei den elektronischen Büchern aus? Eher düster, muss ich sagen. Beim Kindle gibt es gar keine Unterstützung zur Verwaltung und Organisation der Daten – Irrtum vorbehalten, falls ich hier in Europa gewisse Dienste nicht nutzen kann, die US-Kunden geboten werden. Man lädt die eBooks entweder drahtlos direkt aus dem Store auf das Lesegerät oder via PC. Mehr als ein Ordner „Documents“ im Dateiverzeichnis wird jedoch nicht geboten. Ich habe keine Möglichkeit gefunden, die Daten zu gruppieren oder mit zusätzlichen Metadaten zu versehen. Etwas weiter ist Sony. Kürzlich wurde die eBook Library 3.0 lanciert. Diese bietet verschiedene Möglichkeiten zur Datenverwaltung für Windows und Mac. Zunächst werden „intelligente“ Listen angeboten, welche bestimmte Formate (Audio, Bilder, Bücher, Notizen) enthalten. Über das Plus-Symbol in der linken unteren Ecke kann man neue Bücherlisten erstellen und die in der Bibliothek enthaltenen Titel einer solchen Liste zuweisen. Diese Listen sind auf dem Reader dann als Collections zu sehen. Die Metadaten lassen sich in der eBook Library jedoch nicht verändern. Auch PDF- und Word-Dokumente können mit der Software verwaltet und auf dem PC gelesen werden, aber nicht mit dem Sony Reader synchronisiert werden.

Screenshot eBook Library

Ein sehr viel versprechendes OpenSource-Tool ist Calibre. Es verwaltet nicht nur die eBooks auf einem Computer, sondern kann auch aus verschiedenen Quellen neue Ausgabeformate generieren. Leider hilft das bei DRM geschützten Werken auch nicht weiter, um einen rechtmässig gekauften Titel auf einem anderen Reader lesbar zu machen. Die unterschiedlichen Format und DRM der Anbieter limitieren also die Möglichkeiten eines solchen Tools.

Screenshot Calibre

Für Bücher im Mobipocket-Format bietet sich der Mobipocket Reader an. Auch mit diesem Tool kann man die im entsprechenden Format vorhandenen Titel auf seinem PC verwalten und auf einen angeschlossenen Reader übertragen. Im Mobipocket Reader kann man individuell Leselisten einrichten und die vorhandenen Bücher diesen Listen zuweisen. Allerdings klappt auch hier der Abgleich mit dem Kindle natürlich nur, wenn die Dateien im richtigen Format (Mobipocket) und mit dem richtigen DRM (von Amazon, nicht aber aus dem Mobipocket Store) versehen sind. Mobipocket unterstützt verschiedene eReader, u.a. die Modelle Cybook, iRex, iLiad, Hanlin oder BeBook, sowie Smartphones wie Blackberry, Palm, Modelle mit Symbian oder Windows Mobile.
Diese ersten Ansätze für geeignete Dateiverwaltungstools werden also durch die unübersichtliche Situation bei den Formaten und DRMs unterlaufen. Nach der Synchronisierung der eReader ist man immer wieder überrascht, welche Titel übertragen worden sind und welche nicht. Beim Kindle fällt erschwerend ins Gewicht, dass sich Daten überhaupt nicht strukturieren lassen und auch auf dem Lesegerät nur als unübersichtliche Liste präsentiert werden. Die Sortiermöglichkeit nach Autor, Titel oder „most recent first“ findet man auch nicht auf Anhieb. Konnte das Produkt Amazon/Kindle auf der Angebotsseite also eindeutig punkten, fällt es bei der Möglichkeit der Dateiverwaltung hinter die Konkurrenz zurück.