Nook 2 im Praxistest

veröffentlicht am 8. Juli 2011

Überraschend klein kommt er daher, der neue Nook. Wobei der Bildschirm nach wie vor – und vergleichbar zum Kindle – 6 Zoll in der Diagonale aufweist. Mit 210 Gramm ist das Device ein absolutes Leichtgewicht, das sehr gut in einer Hand liegt. Das Gerät kommt mit einigen Vorschusslorbeeren, die sich bei den ersten Tests aber durchaus bestätigen.
Herausragend ist der Touchscreen, der noch bei keinem E-Ink-Reader so überzeugend umgesetzt war. Endlich kann auch in vom iPhone verwöhnter Nutzer das Gerät so bedienen, wie er es erwartet. Zwar wird nicht Multitouch unterstützt, aber die Buttons und Links lassen sich einfach durch Berühren des Bildschirms ansteuern. Auch Inhaltsverzeichnis und Endnoten können durch einfaches Antippen des Links angewählt werden. Die Bedienung ist gegenüber dem Nook 1 viel intuitiver.

 

Einwandfrei funktioniert auch die Integration ins WLAN, was nach erfolglosen Versuchen mit Android-Geräten überraschend einfach klappt. Die Verbindung ist auch nach dem Aufwecken aus dem Sleep-Mode immer noch da. Man kann im Shop von Barnes & Noble einkaufen – wobei ohne US-Kreditkarte und –Rechnungsadresse nur die kostenlosen E-Books zur Verfügung stehen. Eigene oder in anderen Stores gekaufte E-Books können über USB mit dem PC synchronisiert werden. Für die Synchronisation mit Calibre wird die aktuellste Software-Version benötigt. Im ersten Anlauf meldete der Nook bei DRM geschützten E-Books, das Device sei nicht registriert. Nach einmaligem Aufrufen aus Adobe Digital Editions ging dann auch das problemlos. Das bedeutet – ohne es jetzt konkret getestet zu haben -, dass auch die Onleihe via Nook möglich ist. Der Abgleich von E-Books via Calibre erfolgt indirekt: das Gerät wird von Calibre nicht erkannt. Aber die einzelnen E-Books lassen sich via „send to disk“ auf das Gerät, das als Laufwerk erkannt wird, laden.
Die Pearl E-Ink-Anzeige ist brillant. Gegenüber dem Nook 1 soll sie 50% mehr Kontrast bieten. Für belletristische Texte mag der relativ kleine Screen genügen. Für grössere PDF-Dokumente ist er aber nicht geeignet. Man kann Textstellen highlighten oder auch Notizen erfassen. Dazu wird eine virtuelle Tastatur eingeblendet, die der Kindle-Tastatur weit überlegen ist. Auch hier orientiert sich der Nook eher an den Tablets als an bisherigen E-Ink-Readern.
Der Nook weist interessante zusätzliche Funktionen auf: zum einen gibt es die „Lend-Me“-Funktion, zum anderen die Möglichkeit, Informationen über soziale Medien zu teilen. „Lend-Me“ ist nur mit bestimmten im B&N-Store gekauften E-Books möglich. Ein E-Book kann dabei einmal an einen Nook-Freund für 14 Tage ausgeliehen werden. Die Funktion konnte ich nicht testen, da ich keine entsprechenden E-Books kaufen konnte (und auch noch keine Nook-Freunde habe). Die Sharing-Funktion ist auch nur für gekaufte E-Books aus dem B&N-Store verfügbar. Man kann hier Textstellen markieren und dann via verknüpftem Twitter- oder Facebook-Account oder an seine Kontakte (also wieder die Nook-Freund) veröffentlichen. Die Einflussmöglichkeit ist beschränkt, so dass auch schon mal kryptische Tweets den Kreis der Follower verwirren können. Das sieht dann so aus: „I’ve read 3% of Cross Fire (Alex Cross Series #17)(Free Preview: The First 30 Chapters) by James Patterson http://tiny.cc/c0apj #NOOK”. Der Link führt dann übrigens zum E-Book im Store, so dass man es gleich kaufen kann. Da kann also noch etwas optimiert werden…
Fazit: mit dem Nook 2 hat Barnes & Noble ein Gerät vorgelegt, das den Kindle 2 3 (korrigiert am 26.7.) als besten E-Ink-Reader zumindest arg in Bedrängnis bringt. Der Nook punktet bei der Steuerung, beim Handling und bei der Eingabe von Notizen. Jetzt warten wir eigentlich nur noch auf mehr und günstige Inhalte in den E-Book-Stores.

 

7 Responses to Nook 2 im Praxistest

  1. Mark on Juli 10, 2011 at 8:32 am says:

    Hallo Rudolf,
    vielen Dank fuer das tolle Review. Unten ein kleiner Typo: Kindle 3 sollte es wohl heissen.
    Gruss
    Mark

  2. Michael on Juli 19, 2011 at 7:46 am says:

    Ich finde es schlimm, wie ihr Steuergelder verschwendet und es noch als Innovation verkauft. Es gibt genügend Tests der Geräte, da muss die ETH nicht auch noch alle Geräte kaufen.

    • Rudolf Mumenthaler on Juli 26, 2011 at 10:09 am says:

      Sehr richtig, es gibt viele Tests der Geräte – jedoch wird in der Regel nicht die konkrete Anwendung für Studium und Lehre geprüft. Das ist der Hintergrund unserer Tests. Wir gehen davon aus, dass die Studierenden immer häufiger mit diesen mobilen Geräten arbeiten wollen. Als Ergebnis der Tests gibt es dann eine Empfehlung und allenfalls ein vergünstigtes Angebot geeigneter Geräte beim Neptun-Shop. Wir sind also überzeugt, dass Steuergelder hier sehr gut angelegt sind, weil sie zur Verbesserung der Infrastruktur für Studierende eingesetzt werden! Und die zahlreichen technischen Tests werden als Grundlage für den Entscheid verwendet, welche Geräte für unsere Tests beschafft werden sollen.
      Beste Grüsse
      Rudolf Mumenthaler

  3. C.Luethi on August 10, 2011 at 3:12 pm says:

    Ich bin Besitzer eines Nook2 und kann der review beistimmen: Zum Lesen von E-pub ist er durchaus hervorragend geeignet. Für PDFs ist der Nook in der Standardausführung allerdings nicht zu gebrauchen, da er nur im Hochformat PDFs anzeigen kann. Allerdings lässt er sich mit wenig Aufwand rooten und danach hat man die Androidumgebung (einige Apps funktionieren allerdings nicht). Dann gibt es auch die Möglichkeit PDFs im Querformat zu lesen (EasyPDF).
    Was ich als ETHler besonders an einem E-Reader schätzen würde, wäre eine Unterstützung von VPN. Gerade die von der ETH-Biliothek angebotenen Safaribooks würde ich gerne auf meinem Reader lesen. Dies ist mit dem Nook2 zumindest theoretisch möglich. Sobald der VPN-Client der ETH auch für Android funktioniert, werde ich vollständig glücklich mit Nook und den E-Books der ETH.
    Auf das Angebot von B&N kann ich übrigens getrost verzichten. Die Kindleapp für Android läuft auf dem gerooteten Nook ohne Probleme…

  4. Urs on August 24, 2011 at 9:12 am says:

    Hoi Ruedi
    Hab grad auch Steuergelder ins Literaturstudium investiert und bin dabei auf einen Link gestossen, wo das Rooten eines NookColor beschrieben wird – Android läuft ab MicroSD-Karte, man muss also nicht die Garantie zerstören.
    Tönt sehr attraktiv
    En Gruess
    Urs

    http://chronicle.com/blogs/profhacker/turn-the-nook-color-into-a-270-ipad-alternative/35553

  5. Lilo on September 13, 2011 at 10:22 am says:

    Ich bin seit 4 Wochen Besitzerin eines neuen NOOK. Nun habe ich versucht Bücher zu downloaden und musste feststellen, dass es in der Schweiz auf dem offiziellen B&N Weg nicht geht. Kann mir vielleicht jemand einen Tip geben, wie ich ohne US-Kreditkarte und ohne US-Adresse zu Büchern komme?
    Danke vielmals!

    • Rudolf Mumenthaler on September 13, 2011 at 10:33 am says:

      Hallo, das funktioniert im Prinzip über fast jeden E-Book-Store (ausser Amazon): bei http://www.books.ch oder http://www.libri.de kann man E-Books im EPUB-Format kaufen, die das DRM von Adobe nutzen. Auf dem PC muss man Adobe Digital Editions installieren und registrieren, dann kann der Nook auch registriert werden und zeigt die E-Books an.

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