Neuer E-Book-Reader im Test: der COOL-ER

veröffentlicht am 25. August 2010

Das neuste Gerät, das die ETH-Bibliothek einem Praxistest unterzogen hat, ist der bunte COOL-ER. Ein erster Versuch ist daran gescheitert, dass sich im heissen Sommer die Schutzfolio so mit der Rückseite verschmolzen hatte, dass ich beim Entpacken gleich die schöne blaue Farbe und das Logo abriss. Die Ersatzlieferung erfolgte jetzt. Den Test hat unser Gast Christian Winterhalter von der Bibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin durchgeführt. Hier sein Fazit:

Der COOL-ER fällt zunächst durch sein geringes Gewicht auf und liegt gut in der Hand. Die Verarbeitung (billig wirkendes Plastikgehäuse, Haptik der Bedienknöpfe) steht jedoch in einem gewissen Widerspruch zum Preis. Die durch die optische Anlehnung an den iPod suggerierte Benutzerfreundlich­keit wird hingegen in der Praxis nicht eingelöst: die Menüführung ist sehr umständlich und vollzieht sich langsam. Gut ist die Darstellung der Inhalte, die sich leicht in der Grösse (7 Stufen) regulieren lässt. Die Akkukapazität reicht laut Hersteller für 8.000 x Umblättern aus (die Akkuanzeige schwankt jedoch des Öfteren).

Interead hatte unlängst für den Herbst dieses Jahres die Nachfolgemodelle COOL-ER Compact und COOL-ER Connect (mit WiFi) mit mehr Funktionen und zu einem günstigeren Preis angekündigt. Im Juli musste die Firma jedoch Konkurs anmelden, so dass diese nicht mehr auf den Markt kommen werden. Auch das vorgestellte COOL-ER-Modell ist derzeit weder im Direktvertrieb noch über Händler lieferbar.

Eigentlich war das Konzept des COOL-ER ja ganz witzig. Er wirkt frischer als die etablierten E-Book-Reader und ist mit 178 Gramm ein echtes Leichtgewicht. Allerdings scheint mir der Preis von Fr. 339.- (Listenpreis $ 249.-) viel zu hoch. Die E-Ink-Reader haben meines Erachtens nur eine Chance als preisgünstige Alternative zu den Tablets, was Amazon und Barnes&Noble erkannt haben. Der COOL-ER wirkte leicht und billig, war es aber nicht wirklich. Eine zurückgezogene Grossbestellung soll ihm jetzt zum Verhängnis geworden sein. Auch wenn der COOL-ER ganz vom Markt verschwinden wird, gibt es ihn jetzt im InfoCenter der ETH-Bibliothek zum Testen.