8 Neue Dienstleistungen für mobile Lesegeräte?

Neue Dienstleistungen für mobile Lesegeräte? E-Book-Reader und ihre Auswirkungen auf Bibliotheken. In: BuB – Forum Bibliothek und Information, No.62 (2010), Heft 9, S.606-615.

Der Artikel ist eine leicht überarbeitete Version des Beitrags für das Handbuch Bibliothek 2.0 und wurde zur Ankündigung dieses Werks in BuB veröffentlicht.

Das Jahr 2010 wurde zwar schon als Jahr der E-Book-Reader bezeichnet, doch sind mobile Lesegeräte für elektronische Bücher keine neue Erscheinung. Denn die Revolution des Lesens wurde schon mehrfach angekündigt. Den ersten Electronic Book Reader brachte Sony 1990 auf den Markt: Der Data Discman konnte elektronische Bücher im EBG-Standard anzeigen, die auf einem speziellen Datenträger eingelesen wurden. Auch Apples Newton (ab 1993) bot die Möglichkeit, E-Books im Format Newton eBook zu lesen. Ende der Neunzigerjahre folgten der SoftBook Reader, das Rocketbook sowie das Cybook (Gen1).2 Es wurde intensiv die Frage diskutiert, ob künftig Bücher nur noch auf solchen tragbaren Geräten gelesen würden und ob das nun das Ende von Buchhandel und Bibliotheken sei. Doch diese erste Generation eReader konnte sich nicht durchsetzen. Interessant sind aus heutiger Sicht die Gründe, die für das Scheitern des Gemstar Rocketbook verantwortlich gemacht wurden (Tischer: Goodbye eBook):

  • Zu teure E-Books auf einem teuren Gerät
  • Proprietäre Plattform, auf die keine eigenen Bücher geladen werden können
  • eReader waren zu groß und zu schwer (im Vergleich zu Handhelds)
  • Nachteil gegenüber multifunktionalen Handhelds
  • Restriktives DRM, welches das Lesen eines E-Books auf ein Gerät beschränkte

Diese erste Generation wies jedoch auch technische Mängel auf, die über das vergleichsweise große Gewicht hinausgingen. Die LCD-Bildschirme waren nicht gerade angenehm zum Lesen, der Speicherplatz und die Akkulaufzeit beschränkt. Hier setzten in der Folge die technischen Entwicklungen ein.

Sony blieb einer der aktivsten Akteure in diesem Markt. Das Modell Librié, das 2004 in Japan auf den Markt kam, löste die geschilderten technischen Probleme der ersten Generation weitgehend.3 Vor allem das neuentwickelte elektronische Paper E-Ink brachte eine massiv verbesserte Darstellung (allerdings ohne Farbe) und gleichzeitig auch reduzierten Strombedarf. Schon in den Siebzigerjahren hatte Xerox elektronisches Papier entwickelt (Gyricon), das aus statisch geladenen zweifarbigen Kügelchen bestand. In den Neunzigerjahren entwickelte Joseph Jacobson am MIT eine andere Methode, die Elektrophorese. Bei diesem Verfahren schwimmen weiße Partikel, beziehungsweise Mikrokapseln, in dunkel gefärbtem Öl. Je nach elektrischer Ladung schwimmen die weißen Kügelchen an der Oberfläche oder tauchen ab (siehe Abbildung 1, auf dieser Seite).4

Die zweite Generation der E-Book-Reader basiert entsprechend auf der Grundlage der E-Ink.5 Doch der Durchbruch ließ weiterhin auf sich warten. Auch dem Sony Reader, dem iLiad der Firma iRex Technologies, dem Hanlin V2 von Jinke Electronics (alle 2006 lanciert) oder dem Cybook der Firma Bookeen (2007) gelang dieser nicht.

Die zweite Generation der E-Book-Reader

Es war der im November 2007 präsentierte Amazon Kindle, der den E-Book- Readern einen zweiten Frühling verschaffte. Entscheidend dürfte beim Markterfolg die Anbindung an den Amazon Online-Shop mit dem großen Angebot an E-Books gewesen sein (beim Start 88 000 verfügbare E-Books,6 Ende 2009 circa 500 000). Zudem subventionierte Amazon gezielt die elektronischen Titel, um sich einen größeren Marktanteil zu verschaffen. Mit einem Durchschnittspreis von 9,99 US-Dollar blieb Amazon deutlich unter dem Listenpreis für Paperbacks und etwa 3 US-Dollar unter dem Preis der Konkurrenz, was wiederum den Buchhandel und die Verlage in Aufruhr brachte (vergleiche Auletta, Publish). Der Kindle als mobiles Lesegerät wirkte in seiner ersten Version noch wenig attraktiv,7 doch folgten 2009 mit dem Kindle 2 und dem Kindle DX stark verbesserte Versionen.8 Der Erfolg des Kindle ist weniger den technischen Vorzügen gegenüber der Konkurrenz zuzuschreiben als vielmehr dem sehr umfangreichen Angebot an relativ günstigen E-Books im Amazon Kindle Store. Mit dem Kindle DX und seinem größeren Bildschirm (9.7-Zoll eInk) sprach Amazon neben den Lesern von Belletristik auch Hochschulangehörige und Zeitungsleserinnen und -leser an, die größer formatierte Texte lesen wollen (siehe Abbildung 2, auf dieser Seite).

Die zweite Generation der E-Book- Reader scheint in erster Linie ältere Semester anzusprechen. Die Auswertung des User-Forums von Amazon hat (nicht wissenschaftlich erhärtet) ergeben, dass die Mehrheit der Anwender über 50 Jahre alt ist und 70 Prozent über 40. Die Generation der Lesebrillenträger scheint vorrangig die Möglichkeit zu schätzen, die Schriftgröße variabel einstellen zu können. Jüngere Generationen scheinen sich durch das eher konservative Design und eventuell auch die ruhigen schwarz-weißen Bildschirmseiten weniger für diese Geräte zu interessieren.

E-Book-Formate

Wie bei der Einführung früherer elektronischer Medien haben es die Konsumenten in der frühen Phase der neuen Technologie mit mehreren Dateiformaten zu tun, die untereinander nicht kompatibel sind. Während Sony seit einiger Zeit schon auf das Format EPUB setzt, entschied sich Amazon für eine Variante des Formats Mobipocket. Beide versehen die käuflichen E-Books mit einem Digital Rights Management (DRM), wodurch diese Titel nur auf registrierten Geräten gelesen werden können.

Das Format EPUB

EPUB wird von den meisten gängigen Readern (außer Kindle und iRex) unterstützt. EPUB eignet sich für die Anwendung auf mobilen Lesegeräten, da es den Text an die Bildschirmgröße anpasst. Sowohl Satzspiegel wie Seitenumbruch sind fließend, und die Schriftgröße kann individuell angepasst werden. Im Gegensatz zum PDF also, das sich durch einen festen Schriftsatz auszeichnet aber dadurch auf kleinen Bildschirmen schlecht lesbar ist. Der EPUB-Standard wurde 2007 vom International Digital Publishing Forum (IDPF) entwickelt und basiert auf dem freien Standard XML.9 Es ist eine Zusammenfassung der drei offenen Standards der Open Publication Structure (OPS) für die Formatierung des Inhalts, dem Open Packaging Format (OPF) für die Beschreibung der Struktur der .epub-Dateien in XML und dem OEBPS Container Format (OCF), welches die Dateien zusammenfasst als Zip-Datei.

EPUB kennt verschiedene Formatierungen (Header, Paragraf ) und kann somit wie eine Webseite Überschriften in unterschiedlicher Hierarchie erkennen und darstellen. Die Möglichkeiten, Text zu formatieren, entsprechen mehr oder weniger denen einer Webseite. Wenn man sich ein EPUB-Dokument im Quelltext ansieht, erkennt man die XML-Grundlage und die Ähnlichkeit mit Webpages. Wegen des fließenden Zeilen- und Seitenumbruchs sind Seitenzahlen relativ, und Fußnoten machen keinen Sinn. Endnotenzeichen und Endnotentext können über Hyperlinks miteinander verknüpft werden. Auch Bilder lassen sich wie in eine Webseite integrieren, doch sollten diese sich ebenfalls an unterschiedliche Bildschirmgrößen anpassen können.

Das Format EPUB eignet sich sehr gut zur Darstellung einfacher Texte und somit für Belletristik (siehe Abbildung 3, auf dieser Seite). Das ursprüngliche Layout des gedruckten Buches geht dabei jedoch verloren. Mithilfe geeigneter Software (zum Beispiel Calibre) lassen sich eigene Texte relativ einfach in EPUB-Dokumente umwandeln. Problematischer ist der Einsatz im naturwissenschaftlichen Umfeld, da zum Beispiel Formeln nur als Bild angezeigt werden können. Auch Tabellen werden selten korrekt angezeigt.

Das Format Mobipocket

Das Konkurrenzformat Mobipocket ist insbesondere in der Amazon-Version AZW weit verbreitet. Mobipocket wurde ursprünglich als plattformübergreifendes Format entwickelt, um die Darstellung von E-Books auf Handhelds und PCs zu ermöglichen. Es entspricht dem Open eBook-Standard. Eigene Texte lassen sich mithilfe der Software Mobipocket Creator ins entsprechende E-Book-Format umwandeln. Amazons Version AZW ist leicht abgeändert und enthält vor allem ein eigenes DRM.

Die Software Calibre ist bestens dafür geeignet, die unterschiedlichen Dateiformate auf dem PC oder Mac zu verwalten und in das jeweils gewünschte andere Format umzuwandeln. Von Calibre aus können die verschiedenen E-Books auch auf die unterschiedlichsten Reader gespielt werden, sogar auf das iPhone oder den iPad (via Stanza auf dem mobilen Gerät). Allerdings gelingt dies nur mit nicht DRM-geschützten Dateien.

Portable Document Format

Gerade im wissenschaftlichen Umfeld ist PDF das am weitesten verbreitete Format für elektronische Texte, nicht nur bei elektronischen Zeitschriften, sondern auch bei E-Books. Der Vorteil von PDF liegt gerade bei der originalgetreuen Darstellung der gedruckten Version. Formeln, Grafiken, Fußnoten und das Gesamtlayout werden exakt wiedergegeben. Für die kleinen Bildschirme der meisten E-Book-Reader, die in der Regel einen 6-Zoll-Screen aufweisen, ist diese Form unpraktisch – wenn sie denn überhaupt wiedergegeben werden kann. Auf dem iRex Digital Reader oder dem Kindle DX mit 10- oder 9-Zoll-Bildschirmen können PDF-Dokumente recht gut gelesen werden.

Die ersten Modelle der eReader verfügten noch über mangelhafte Funktionen, um ein PDF sinnvoll nutzen zu können. Mit geeigneten Rendering-Mechanismen und Zoom-Funktion lassen sich diese Dokumente auch auf kleineren Screens lesen, wie das Beispiel iPhone beweist. Die Betriebssystemversion 2.5 soll dem Kindle bessere Funktionalitäten zur Darstellung von PDF-Dokumenten bringen. Mit den größeren Tablets, die mit dem iPad auf den Markt drängen, erhält das PDF weitere Vorteile.

Die Nutzung von E-Books

Die Umsatzzahlen der E-Books zeigen, dass im Jahr 2009 ein markanter Anstieg erfolgt ist. Gemäß Association of American Publishers wurden beeindruckend wachsende Umsatzzahlen erreicht:10 2006: 54 Millionen US-Dollar; 2007: 67 Millionen US-Dollar; 2008: 113 Millionen US-Dollar; 2009: 169,5 Millionen US-Dollar. Zudem zeigt eine Untersuchung von Forrester, dass der Amazon Kindle 2009 bei der Hardware eindeutig an der Spitze lag. In den USA beträgt der Anteil des Kindle an den verkauften Geräten 60 Prozent, Sony liegt bei 35 Prozent, und 5 Prozent entfallen auf den Rest.11 Angeblich sollen 2009 rund drei Millionen Geräte verkauft worden sein. Für 2010 wird mindestens mit einer Verdoppelung der Zahlen gerechnet. Aber bei allem Optimismus der Marktbeobachter und der beteiligten Firmen bleibt der Verdacht, dass der Durchbruch herbeigeredet werden soll. Denn die E-Books machen selbst in den USA erst ein Prozent der Buchverkäufe aus (Gottschalk, E-Book). So ist es also auch zu Beginn des Jahres der E-Book-Reader noch nicht sicher, ob sich das neue Medium wirklich durchsetzen wird.

Im Wissenschaftsbereich sieht es schon eher danach aus, wie die Zugriffszahlen auf E-Books an der ETH-Bibliothek zeigen (siehe Abbildung 4, Seite 610). Dabei ist zu beachten, dass bei dieser Statistik die Zugriffe auf die einzelnen Kapitel gezählt werden. Der Bestand der ETH-Bibliothek beziffert sich Ende 2009 auf rund 60000 lizenzierte elektronische Bücher, auf deren einzelne Kapitel eine Million Mal zugegriffen wurde. Im Vergleich dazu verzeichneten die elektronischen Zeitschriften der ETH-Bibliothek 2009 3,5 Millionen Zugriffe. Die Zeichen deuten darauf hin, dass den E-Books im Bereich STM (Science, Medicine, Technology) derselbe Siegeszug gelingen wird, wie den E-Journals vor einigen Jahren. Ob die E-Book- Reader von dieser Entwicklung profitieren werden, steht auf einem anderen Blatt.

Die Rolle des Zeitungsmarkts

Die Entwicklung im Zeitungssektor dürfte die maßgebliche Rolle bei der Frage spielen, ob sich die Reader durchsetzen werden. In diesem Zusammenhang spricht man denn auch von eReadern, da es nicht nur um das Lesen von elektronischen Büchern, sondern auch von anderen Inhalten geht. Im Zeitungs- und Zeitschriftenbereich werden zurzeit neue Modelle entwickelt, die das Überleben der Branche sichern sollen. Meine These lautet deshalb, dass sich die Zukunft der eReader in diesem Sektor und nicht im Buchbereich entscheiden wird. Gefragt sind hier Geräte mit größeren Displays, die sich auch zum Lesen von Zeitungsinhalten eignen, die multimedial angereichert werden. Der Trend geht sogar in die Richtung, dass die News aus dem Newsroom des Verlagshauses über verschiedene Publikationskanäle veröffentlicht werden. Text, Bild und Multimedia vermischen sich. Mobile Geräte, die diese Inhalte gut wiedergeben können, sind also im Vorteil.

Weiter sind vor allem neue Geschäftsmodelle gefragt, welche dafür sorgen sollen, dass mit hochwertiger tagesaktueller Information Geld verdient werden kann. Die kostenlosen Pendlerzeitungen konkurrenzieren und die kostenlosen Webangebote der Zeitungen kannibalisieren die Qualitätsblätter und den Recherchejournalismus. Hier besteht die Hoffnung, dass elektronische Versionen mithelfen, Kosten in der Produktion und beim Vertrieb zu senken. Ob sich die Konsumenten davon überzeugen lassen, dass sie für die qualitativ hochstehenden elektronischen Produkte einen angemessenen Preis bezahlen müssen, ist jedoch unklar. Sicher ist nur, dass 2010 die Weichen gestellt werden.

Und dabei spielt die verfügbare Hardware eine wichtige Rolle. Kurz nach dessen Lancierung brachte das Computermagazin »Wired« eine multimedial angereicherte Version für das iPad heraus.12 Sie bietet die Möglichkeit, Illustrationen zu drehen und Videos aufzurufen. Auch das »Time Magazine« bietet eine Applikation für das iPad an, das den Kauf einzelner Ausgaben erlaubt, die multimedial angereichert sind. Die Zürcher Tageszeitung »Tages-Anzeiger« hat zusätzlich zur kostenlosen iPad-App – mit den Inhalten der Webausgabe – eine iPad-Version mit allen Inhalten der gedruckten Version angekündigt, die für Abonnenten der Zeitung gratis sein soll oder separat abonniert werden kann.

Es ist damit zu rechnen, dass die neue Plattform noch viele vergleichbare Anwendungen hervorbringen wird. Zudem sind mehrere großformatige eReader angekündigt, die sich besonders für die Darstellung von Zeitungsinhalten eignen dürften: Erwartet wird insbesondere der QUE von Plastic Logic. Doch die neusten Meldungen zeigen, dass die Verlagsbranche auf das attraktive Zugpferd iPad zu setzen scheint.13

Dem Pessimismus der Buchhändler steht der ungebrochene Optimismus der Hersteller von eReadern gegenüber. Nebst den erwähnten großformatigen Skiff und QUE (siehe Abbildung 5, Seite 611) sind 2010 zahlreiche Geräte angekündigt oder bereits erschienen. Diese dedizierten E-Book-Reader, wie zum Beispiel der Cool-Er oder der günstige Kobo Reader, basieren alle auf der E-Ink-Technologie. Einige verfügen über einen Touchscreen, der aber zum Beispiel beim Sony Touch Einbußen bei der Lesbarkeit des Bildschirms mit sich bringt. Und im Vergleich zur Mulittouch-Technologie des iPhone und anderer Smartphones bieten diese Touchscreens eher rudimentäre Funktionen.

Modelle wie der NOOK von Barnes & Noble oder der Alex eReader versuchen eine Kombination von E-Ink-Anzeige mit einem zusätzlichen kleineren Touchscreen zur Navigation. Allerdings überzeugen diese Konzepte bezüglich Usability nicht wirklich. Das iPhone hat bei der Bedienung von Mobilgeräten einen Standard gesetzt, der von den E-Book-Readern nicht annähernd erfüllt wird. Deshalb lohnt es sich, die Smartphones als eReader zu betrachten.

Smartphones als eReader

Beim Scheitern der ersten Generation E-Book-Reader wurde die Konkurrenz durch die multifunktionalen Handhelds als Grund aufgeführt. Fünf Jahre später ist diese Konkurrenz noch viel weiter entwickelt und entsprechend ein wichtiger Gegenspieler der dedizierten E-Book-Reader geworden. Das Argument gilt nun noch stärker, dass (fast) niemand ein zusätzliches größeres Gerät mit sich herumtragen will, wenn sein multifunktionales Smartphone sich doch auch zum Lesen digitaler Inhalte eignet. Wenn man die Möglichkeiten des iPhone mit den gängigen E-Book-Readern der zweiten Generation vergleicht, schneidet dieses tatsächlich in vieler Hinsicht besser ab (vergleiche Mumenthaler, iPhone).

Die technischen Möglichkeiten für die Darstellung von E-Books mögen bei anderen Smartphones vergleichbar sein, doch bietet das iPhone ein unvergleichlich größeres Angebot an E-Books und auch zahlreiche Applikationen, die für den Kauf, die Verwaltung und das Lesen der elektronischen Bücher eingesetzt werden können.

Das Angebot an E-Books für das iPhone ist insgesamt größer als für jeden einzelnen dedizierten E-Book-Reader. Dank sogenannter Apps kann auf das vollständige Angebot von Amazons Kindle-Store, auf die über eine Million E-Books im Store von Barnes and Noble, auf hunderttausende freiverfügbare ältere Bücher und auf zahlreiche weitere Plattformen zugegriffen werden. Zudem ist die Applikation iBooks, die ursprünglich für das iPad entwickelt wurde, mittlerweile auch für das iPhone erhältlich. Das iPhone bietet zusätzlich noch die Möglichkeit, dass Verlage einzelne E-Books als eigenständige kleine Applikationen verkaufen.

Dateiformate

Das iPhone kann mithilfe der unterschiedlichen Applikationen so ziemlich jedes Format lesen. Aber man braucht DocumentsToGo für Textdokumente und PDF, Kindle für Amazons azw-Formate, Stanza für EPUB et cetera. Die auch für das iPhone erhältlich Applikation iBooks kann neben EPUB auch PDF-Dokumente darstellen. Die Verwaltung der Files und die Synchronisierung mit dem PC erfolgt dabei über iTunes.

Funktionen

Bei den Funktionen zum Blättern und Navigieren hat das iPhone die Nase vorn. Das iPhone setzt hier ganz klar Maßstäbe, die dazu führen, dass viele Nutzer auch versuchen, den Kindle wie einen Touchscreen zu bedienen und über die bescheidenen Möglichkeiten des Sony Touch enttäuscht sind.

Gerade für die Nutzung im wissenschaftlichen Umfeld wäre es von entscheidender Bedeutung, dass die Texte annotiert werden können, dass Anmerkungen und Zitate in die eigentliche Arbeitsumgebung auf den PC übernommen werden können. Das ist weder beim iPhone noch bei den dedizierten E-Book-Readern wirklich der Fall. Beim iPhone ist ein Hindernislauf über verschiedene Funktionen und Applikationen nötig, um eine Anmerkung aus einem Text zu kopieren und in ein Word-Dokument zu übertragen. Und bei den E-Book-Readern bietet nur der Sony Touch (angeblich) eine Synchronisation von Notizen auf dem eReader mit Word auf dem PC. Offenbar macht hier aber das DRM öfters Schwierigkeiten.

Bildschirm und Akku-Laufzeit

Der kleine Bildschirm ist sicher ein Nachteil des iPhone gegenüber den 6-Zoll Bildschirmen von Kindle, Sony und anderen. Dafür ist er beeindruckend gut geeignet, um multimediale Inhalte darzustellen. Im Zeitalter der Medienkonvergenz ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Und umgekehrt ist gerade dies ein möglicherweise entscheidender Negativpunkt für die eInk-Technologie. Momentan dauert ein Seitenaufbau eine halbe Sekunde und ist begleitet von einem Flimmern. Das mag für Bücher noch kein Problem sein, sehr wohl aber für multimediale Inhalte. Allerdings hat Sony im Frühjahr 2010 ein flexibles Farbdisplay (Sony Rollable OLED Display) präsentiert, das einen Film anzeigt, während es auf einen Stift gewickelt wird. Auf der Plusseite der eInk-Technologie ist ganz klar die extrem lange Laufzeit des Akkus zu versuchen, was wiederum ein Hauptmanko des iPhone darstellt.

Preis

Die Schmerzgrenze für eReader liegt bei 200 Euro, haben Kundenbefragungen ergeben. Wobei diese Grenze für die verschiedenen Kundensegmente unterschiedlich ist. Aber für den Durchbruch gerade bei jungen Leuten liegt sie wohl doch deutlich unter 200 Euro. Hier liegen die Vorteile klar beim iPhone. Es ist zwar bedeutend teurer, aber man kauft es nicht als eReader, sondern als Mobilphone, als mobiles Webdevice, als elektronische Agenda oder als mobile Gamestation.

Coolness-Faktor

Last but not least spielt auch der Coolness- Faktor eine wichtige Rolle. Auch die neueren E-Book-Reader wie der NOOK sind zu wenig »sexy«, um auch jüngere Generationen anzusprechen. Bis zur Einführung des iPad von Apple war das iPhone unbestritten das coolste Gadget der Gegenwart. Am ehesten könnten noch Smartphones mit dem offenen Betriebssystem Android Apples Produkte Konkurrenz bereiten.

Fazit

Wie schon um das Jahr 2003, als die damals florierenden Handhelds die E-Book-Reader erster Generation bedrängten, weisen heute viele Vorteile auf die Smartphones als Gewinner in diesem Konkurrenzkampf. Natürlich bleibt das Argument bestehen, wonach wohl niemand Tolstojs »Krieg und Frieden« auf dem iPhone lesen möchte. Aber ein Bücherwurm wird dem ohnehin die Lektüre im schön gestalteten Hardcover-Buch vorziehen. Und wie schon gesagt, entscheidend dürfte die Entwicklung im Segment Zeitungen und Zeitschriften sein. Und hier werden die Tablets ein entscheidender Faktor sein.

Tablets als eReader

Zu Jahresbeginn konnte man sich darüber streiten, ob das Jahr 2010 nun zum Jahr der E-Book-Reader oder zum Jahr der Tablets wird. Tatsache ist, dass nicht nur das iPad von Apple, sondern eine ganze Reihe von Tablets angekündigt worden sind. Noch vor der Präsentation des iPad stellte Microsoft den Courier vor, der in diesem Jahr auf den Markt kommen sollte. Auch HP kündigte ein Gerät namens Slate an, das auf der Basis von Windows 7 zum iPad-Konkurrenten hätte werden sollen. Weiter sind angeblich Tablet-Computer von Google, Samsung oder Nokia in der Entwicklung. Und in Deutschland sorgte die Ankündigung des WePad, beziehungsweise WeTab als offene, auf Android basierende, Alternative zum proprietären System von Apple für Aufsehen.

Tablet-Computer sind keine Neuerfindung, sondern besetzen seit Jahren mehr oder weniger erfolgreich eine eher kleine Nische im Markt der Notebooks. Vielversprechende Ansätze sind auch Tablet-Netbooks, also speziell kleine und dadurch mobile Notebooks mit einer Touchscreen-Oberfläche, wie zum Beispiel der Eee PC Touch von Asus. Dabei handelt es sich um einen super mobilen portablen Computer mit Touchscreen-Oberfläche. Der Vorteil gegenüber den dedizierten E-Book-Readern ist die Multifunktionalität sowie die nahtlose Integration in die Arbeitsumgebung. Dies ist gerade für den Einsatz im Hochschulumfeld ein sehr wichtiges Argument. Und dabei liegen die Vorteile sicherlich beim Netbook, auch gegenüber dem Apple-Konzept um das iPad.

Wir haben oben Smartphones und E- Book-Reader miteinander verglichen. Mit dem iPad kommt hier eine neue Dimension ins Spiel, die das Gewicht stark zugunsten des Tablets verschiebt. Die beim Vergleich mit dem iPhone erwähnten Nachteile sind nun fast vollständig behoben: Der Bildschirm ist groß und brillant. Außer bei extremen Lichtverhältnissen lassen sich auf dem iPad elektronische Bücher einwandfrei lesen. Angebotsseitig bietet Apple im Bookstore für das iPad mehrere zehntausend englischsprachige Titel an. Zudem sind über die jeweiligen Applikationen für das iPad auch der gesamte Kindle Store von Amazon sowie der Store von Barnes & Noble nutzbar. Es ist damit zu rechnen, dass weitere Verlage auf den Zug aufspringen werden und somit mittelfristig ein sehr großes Angebot nutzbar sein wird.14

Das iPad verfügt jedoch über eine zusätzliche und in seiner praktischen Anwendung nicht zu unterschätzende Stärke bei der Darstellung von PDF-Dokumenten. Zum einen bietet der 9,7 Zoll-Bildschirm eine akzeptable Größe auch für Dokumente im A4-Format. Zum andern verfügt das iPad über ausgezeichnete Funktionalitäten zur Vergrößerung der Dokumente und zur Navigation (siehe Abbildung 6, auf dieser Seite). Im Praxistest erweisen sich sogar die wirklich sperrigen ePaper-Versionen von Tageszeitungen als sehr nützlich. Mithilfe der Multitouch-Oberfläche lassen sich gewünschte Ausschnitte schnell und einfach vergrößern.

Es ist damit zu rechnen, dass noch viele Applikationen entwickelt werden, die genau diese Funktionen ausnützen. Als sehr nützlich erweist sich zum Beispiel die App GoodReader, mit der PDF-Dokumente heruntergeladen, organisiert und offline gelesen werden können. Der Austausch mit anderen Usern oder dem eigenen PC ist noch nicht einfach, aber ansatzweise über Plattformen wie Dropbox oder iWork.com von Apple bereits nutzbar.

Auch wenn Apples iPad noch viele Wünsche offen und einige wichtige Funk- tionen vermissen lässt, eröffnet es neue Möglichkeiten. Obschon weder Laptop noch Smartphone noch eReader, scheint das Konzept bei den Kunden Erfolg zu haben.15 Damit wird die Plattform umso interessanter für Entwickler von Applikationen, die neue Nutzungsformen nach sich ziehen werden, sowie für Anbieter von Inhalten, sprich Verlage.

Auswirkungen auf das Angebot der Bibliotheken

Die skizzierte Entwicklung beinhaltet für Bibliotheken – wie üblich – Risiken und Chancen. Wobei es für Bibliotheken eindeutig bessere und weniger gute Szenarien gibt. Sowohl Amazon wie Apple verfolgen eine Strategie des Vendor-Lock-in. Das heißt, dass Kunden möglichst langfristig und exklusiv an die Produkte der eigenen Marke gebunden werden. Das iPad dient dazu, die E-Books aus dem Apple-Book-store zu kaufen, der Kindle erfüllt dieselbe Funktion erfolgreich für Amazon. Fremde Inhalte – oder aus Sicht des Kunden eigene Inhalte – finden den Weg nur über Umwege auf das Lesegerät.

Es sind auch noch keine Geschäftsmodelle vorgesehen, in denen Bibliotheken eine Rolle spielen würden. Für Buchhändler und Bibliotheken wäre dies das Worst-Case-Szenario, wenn sich der Direktkauf durchsetzen würde und E-Books vom Einzelkunden nur direkt bei Apple, Amazon oder Google gekauft werden könnten.

Dagegen ist das gängige Lizenzmodell der Wissenschaftsverlage geradezu ideal für Bibliotheken, zumindest für Hochschulbibliotheken. Dieses von den großen Anbietern wie Springer oder Wiley propagierte Modell sieht vor, dass die Hochschule (meist über die Bibliothek) eine Campuslizenz für E-Books und E-Journals bezahlt. Die somit lizenzierten Titel können dann von allen Hochschulangehörigen ohne Einschränkung aus dem IP-Range der Hochschule heraus genutzt werden. Für die Bibliotheken stellt sich in diesem Modell vor allem die Frage, wie der Hochschulangehörige merkt, dass er diese Dienstleistung der Bibliothek zu verdanken hat und nicht meint, er kriege diese Inhalte einfach so und umsonst.

Allerdings erschweren die Verlage einen massenhaften Download von E-Books dadurch, dass sie die Texte in Kapitel aufteilen, die dann einzeln heruntergeladen werden können beziehungsweise müssen. Weiter erschwert wird die Nutzung – auch die legale – dadurch, dass diese kapitelweisen Downloads allesamt den gleichen, neutralen Dateinamen (zum Beispiel fulltext.pdf) erhalten. Dadurch wird die Organisation der einzelnen Files auf dem PC zu einer Geduldsprobe, die alles andere als kundenfreundlich ist. Hier müssen die Verlage ihr Angebot unbedingt attraktiver gestalten. Ideal wäre es, wenn die Metadaten in die Dokumente eingebettet und mitgeliefert würden, wie man es vom Musikbereich her kennt.

Gerade das iPad haucht diesem Lizenzmodell und Angebot neues Leben ein. Das iPad unterstützt wie schon das iPhone die Internetverbindung via Virtual Private Network (VPN). Dadurch kann man von unterwegs über WLAN aus dem IP-Range der eigenen Hochschule auf die Verlagsangebote zugreifen, diese Daten online beziehen und lokal speichern. Die Vorzüge des iPad bei der Nutzung von PDF- Dokumenten wurde schon beschrieben. Was oben als Wunschliste an die Verlage geschildert wurde, bleibt weiterhin ein Desiderat. Aber es müsste im ureigensten Interesse der Verlage und der Bibliotheken liegen, die Nutzung in der geforderten Weise zu vereinfachen.

Künftige Modelle, die weitgehend auf schon bekannten Grundlagen beruhen, sind natürlich einfacher zu formulieren als komplett neue. Schwieriger wird es also, wenn man versucht, Szenarien und Lösungsansätze für den Umgang mit E-Books in Öffentlichen Bibliotheken zu skizzieren. Hier dürften belletristische Werke das wichtigste Medium sein, das aber auch im Fokus der kommerziellen Anbieter steht. Die Konkurrenz zum stets verfügbaren Online-Store, der die gängigen Titel ohne Verzögerung zum Download zur Verfügung stellt, scheint momentan eindeutig gegen die Bibliothek und auch gegen den traditionellen Buchhandel zu sprechen. Doch es gibt einige innovative Ansätze, die zu berechtigter Hoffnung Anlass geben.

Da wäre einmal die Onleihe: E-Books werden nach dem bekannten Prinzip auf eine bestimmte befristete Dauer an jeweils einen Kunden ausgeliehen. Das scheint zwar anachronistisch, doch bietet dieses Geschäftsmodell den Bibliotheken eine aktive Rolle und dem Kunden den Vorteil des geringen Preises. Denn die Preispolitik der Verlage dürfte eine gewichtige Rolle bei der Akzeptanz des Angebots seitens der Kunden spielen. Zurzeit bewegen sich die E-Books – außer bei Amazon – generell auf dem Niveau des günstigsten Print-Angebots.

Und das ist angesichts der Einschränkungen bei der Nutzung durch das DRM vielen Kunden zu teuer. Eine Studie an einer US-Universität hat gezeigt, dass die Kosten für einen Studierenden erheblich höher wären, würde er komplett auf E-Books umstellen. Denn bei den gedruckten Büchern holen die Studierenden durch den Weiterverkauf der Lehrbücher jeweils einen Teil der Ausgaben wieder herein. Das entfällt bei den DRM-geschützten E-Books, die nicht weitergegeben werden können.

Die Onleihe kann auf verschiedene Arten umgesetzt werden. Kleinere Bibliotheken werden sich vorzugsweise an einen Anbieter wenden, der ihnen die Plattform zur Verfügung stellt. NetLibrary von OCLC wäre hier zu nennen, oder – naheliegender – die Plattform Onleihe verschiedener deutscher Stadtbibliotheken.16 Dieser Dienst wird von der DiViBib GmbH, einem Tochterunternehmen der ekz.bibliotheksservice GmbH, angeboten. Sonys E-Book-Reader unterstützen diese Form der Onleihe. Die Rechteverwaltung und Authentifizierung erfolgt mithilfe der Software Adobe Content Server, beziehungsweise kundenseitig via Adobe Digital Editions.

Ein über das Konto bei der eigenen Stammbibliothek ausgeliehenes E-Book kann dann für acht Tage auf dem Reader und dem PC gelesen werden. In den USA bietet die Firma Overdrive ausleihbare E-Books für Bibliotheken samt der benötigten Plattform und dem Service an.17  Neben dem Download zur temporären Nutzung auf dem PC oder dem eReader bieten diese Dienstleister meist auch einen vom PC aus nutzbaren Online-Reader an.

Ein mögliches neues Dienstleistungsangebot einer Hochschulbibliothek könnte darin bestehen, dass den Studierenden eReader verbilligt abgegeben werden, für die die Bibliothek E-Books für das jeweilige Fachgebiet bereitstellt oder schon aufs Gerät lädt. Dafür müssten aber noch lizenzrechtliche Probleme überwunden werden. Noch sind die Verlage eher skeptisch und dürften allenfalls die Hand für ein begleitetes Pilotprojekt bieten. So wird der Kindle DX auch erst testweise in den USA auf diese Weise eingesetzt.

Grundsätzlich dürften sich aber offene Angebote, die sich also nicht auf eine Plattform oder einen Gerättyp beschränken, durchsetzen. Entsprechend sollten Bibliotheken tendenziell Services entwickeln und anbieten, die von beliebigen Endgeräten aus nutzbar sind. Die Kunden werden sich erfahrungsgemäß nicht von der Bibliothek vorschreiben lassen, welchen Typ Gerät sie verwenden sollen. Am zukunftsträchtigsten scheint ein umfassendes Angebot von frei nutzbaren E-Books in den wichtigsten Formaten direkt im Bibliothekskatalog. Die Nutzer können dann das gewünschte Format direkt auf ihren PC, ihr Tablet oder ihren E-Book-Reader herunterladen.

Denkbar sind noch weitere Anwendungen. Auf der Frankfurter Buchmesse 2009 präsentierte Blackbetty Mobilmedia Terminals zum Download von E-Books im mobilen Format fürs Handy via Bluetooth – eine Dienstleistung, die durchaus auch in einer Bibliothek angeboten werden könnte.18 Wobei auch hier die Grundregeln des Marketing gelten und man sich zunächst überlegen muss, welche Zielgruppe man mit einer geplanten neuen Dienstleistung ansprechen will.

Fazit

Angesichts der noch völlig unsicheren Entwicklung im Bereich der E-Book-Reader, eReader und Tablets sind Prognosen äußerst schwierig. Das E-Book hat sich – im Gegensatz zur elektronischen Zeitschrift – auch im wissenschaftlichen Bereich noch nicht durchgesetzt. Hier ist allerdings schon bald damit zu rechnen, vor allem, wenn die Angebote der Verlage kundenfreundlicher werden. Wenn dann auch noch die mobilen Geräte über die für die tägliche Arbeit mit elektronischen Texten benötigten Funktionen verfügen (Metadatenverwaltung, Annotationsmöglichkeit, Integration in Reference Management, Integration in die persönliche Arbeitsumgebung, Integration in die Cloud und so weiter), dann könnte der Durchbruch sehr schnell erfolgen.

Bei der Belletristik könnte sich das E-Book als Konkurrent zum Taschenbuch durchsetzen – nicht nur aus Kundensicht, sondern auch als verlagsseitiges Geschäftsmodell. Allerdings darf die elektronische Variante eine gewisse Schmerzgrenze bei den Preisen nicht überschreiten. Deshalb könnte das E-Book als günstige Zweitverwertung nach dem teuren Hardcover für Kunden und Verlage attraktiv werden.

Im Konkurrenzkampf zwischen Tablets und dedizierten E-Book-Readern zeichnet sich ab, dass letztere nur als deutlich günstigere Alternative eine Chance haben. Entsprechend haben nach dem Erscheinen des iPad viele Hersteller die Preise für die Reader massiv gesenkt. Das gilt für den Kindle sowie für das NOOK.

Für die Bibliotheken bedeuten diese ungewissen Perspektiven, dass sie sich auf verschiedene Szenarien vorbereiten müssen. Es ist ratsam, sich Gedanken über mögliche neue Dienstleistungen für Nutzer mit mobilen Lesegeräten zu machen – seien es nun dedizierte E-Book-Reader, Netbooks, Smartphones oder Tablets. Und es lohnt sich, dies nicht allein für sich, sondern in Kooperation mit anderen Bibliotheken und mit Verlagen zu tun.

Literaturverzeichnis

Auletta, Ken: Publish or Perish. Can the iPad topple the Kindle, and save the book business. In: The New Yorker, 26. Ap- ril 2010. http://w w w.new yorker.com/ reporting/2010/04/26/100426fa_fact_ auletta (besucht am 3. Mai 2010)

Gottschalk, Felix: E-Book: Ein Talent entwickelt sich nicht von selbst! DB-Re- search vom 12. November 2009. Beitrag zugänglich über das Archiv in der Rubrik eResearch auf www.db-research.de

Griffey, Jason: Gadgets and Gizmos: Personal Electronics and the Library. Li- brary Technology Reports. American Library Association, 2010.

Mumenthaler, Rudolf: Das iPhone als eReader. In: Trau keinem über 30? Die TUB wird 30! Kolloquium über eBooks und die Zukunft der Bibliothek anläßlich des 30-jährigen Bestehens der Universitätsbibliothek der TU Hamburg-Harburg. Herausgegeben von Thomas Hapke. Hamburg-Harburg, 2010, Seite 27–40. urn:nbn:de:gbv:830-tubdok-8459

Ricker, Thomas: PVI‘s color E-Ink displays are a perfect match for Kindles. Veröffentlicht am 19. März 2010 auf engadget. www.engadget.com/2010/03/19/pvis-prototype-color-e-ink-displays-are-a-perfect-match-for-kin/

Tischer, Wolfgang: Good Bye, eBook! Gemstar gibt auf. In: Literatur-Café vom 17. Mai 2003. www.literaturcafe.de/bf. htm?/ebook/byeebook.shtml (besucht am 3.Mai2010)

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1  Dieser Artikel ist eine aktualisierte Fassung des im »Handbuch Bibliothek 2.0« (siehe Kasten Seite 613) erscheinenden Beitrags.
2  Vgl. dazu die umfassende Dokumentation im Mobileread-Wiki: wiki.mobileread.com/ wiki/E-book_devices (besucht 3. Mai 2010).
3  Vgl. dazu den Artikel zu E-Books in Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/E-Book oder im Mobilread Wiki: http://wiki.mobileread.com/wiki/Sony_Librie (besucht 3. Mai 2010)
4 Vgl. dazu den Artikel Elektronisches Papier in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/ Elektronisches_Papier

5 Die Displays werden von der Firma PVI (Prime View International) aus Taiwan hergestellt, die 2009 die US-Firma E Ink übernommen hat.

6 Kindle: Revolutionärer Bücher-iPod von Amazon? In: Winfuture vom 19. November 2007, online: http://winfuture.de/news,35866.html
7 Vgl. dazu meinen Beitrag im Blog Innovation@ETH-Bibliothek http://blogs.ethz.ch/innovethbib/2009/04/01/erfahrungen-mit-dem-kindle-1/
8 Dazu der Beitrag im Blog: http://blogs.ethz. ch/innovethbib/2009/04/07kindle2-im-test/ – Im Sommer 2010 bringt Amazon ein überarbeitetes Nachfolgemodell zu deutlich günstigerem Preis auf den Markt.
9 Die Spezifikationen sind frei zugänglich unter www.idpf.org/specs.htm
10 Bei den Zahlen für 2006-2008 handelt es sich um Schätzungen der AAP für die gesamte Branche. Quelle: http://techcrunchies.com/us-ebook-sales/
11 Quelle: DB Research, Think Tank der Deutsche Bank Gruppe. www.db-research.de
12  Vgl. www.wired.com/
13  Dazu gehört auch die Meldung vom 14. Juni2010, wonach News Corp. Skiff gekauft hat, jedoch nur an der Plattform interessiert ist und den angekündigten großformatigen Skiff Reader einstellt: www.skiff.com/press.html. Da sich auch die angekündigte Auslieferung des QUE auf unbestimmte Zeit verzögert hat, mehren sich Mitte des Jahres die Gerüchte, wonach auch das Produkt von Plastic Logic gar nie erscheinen wird.
14  Diesen Trend bestätigt die Meldung, wonach Google unter dem Namen Google Edition im Juli – also nach Redaktionsschluss dieser BuB-Ausgabe – einen Inernet-Buchladen eröffnen wird, dessen Titel auch auf dem iPad gelesen werden können. (Meldung in Spiegel Online vom 5. Mai 2010).
15  Schon nach 59 Tagen hat Apple zwei Millionen iPads verkauft – verglichen mit den drei Millionen verkauften eReadern in 2009.
16 Zu finden unter der URL: www.onleihe.net (besucht 5. Mai 2010)
17  www.overdrive.com
18  Vgl. www.blackbetty.at und www.mobile-books.com