#Kindle DX in der Praxis

veröffentlicht am 7. Juli 2009

Der erste positive Eindruck hat sich in der Praxis bestätigt: Der Kindle DX bedeutet einen grossen Schritt in Richtung alltagstauglichem eBook Reader. Neben dem grösseren Display, welches das Lesen von Pdf-Dokumenten erlaubt, die nur als Bilddatei verfügbar sind, ist es vor allem die Offenheit für das Pdf-Format, das entscheidende Vorteile bringt. Das Lesen mit dem Kindle DX ist wirklich sehr angenehm. Bei einem genügend grossen Angebot an interessanten eBooks im entsprechenden Format kann ich mir langsam vorstellen, den Kindle einer Tasche von Büchern, die ich in die Ferien mitschleppen muss, vorzuziehen.

ABER: Ich schliesse mich der Meinung von Tim O’Reilly an, der in seinem Beitrag „Why Kindle Should Be An Open Book“ die Öffnung gegenüber Standards und die Absage an DRM fordert – oder der Kindle wird sich als Sackgasse erweisen. Ein lesenswerter Artikel von Giles Slade skizziert ein anderes Szenario: Eebs: A History of Future Publishing.  eBooks müssen sich von ihren gedruckten Vorbildern lösen und sich auf den sinnvollen Einsatz der technischen Möglichkeiten konzentrieren, dann werden sie zu einem eigenständigen Medium, den Eebs. Slade sieht den Kindle gegenüber dem Sony klar im Vorteil. Das sehe ich auch so. Aber es gilt die eingangs zitierte Bemerkung: der Kindle hat nur eine Zukunft, wenn er von DRM und geschlossenen Formaten befreit wird.

UND: Nicht existent ist eine vernünftige Verwaltung der Buchtitel auf dem Kindle oder auf dem PC. Hier bewegt sich der Kindle noch tief in der Steinzeit. Und hier sehe ich den eigentlichen Haken an der Sache: Apple hat es im Bereich Musik vorgemacht. Der Erfolg des iPod ist nicht (nur) seinem Design und seinen technischen Möglichkeiten, auch nicht nur dem Marketing zu verdanken. Entscheidend ist die Integration der ganzen Beschaffung und Verwaltung der Medien. Der entscheidende Erfolgsfaktor für den iPod war und ist iTunes, das Apple in einer zweiten Phase für die Windows-Plattform geöffnet hat. Über iTunes kauft und verwaltet man alle Inhalte. Man legt Wiedergabelisten (auch intelligente) an, gruppiert und bewertet die Songs und synchronisiert sie dann mit beliebigen iPods und iPhones. Und hier hat Amazon den Zug vielleicht schon verpasst. Wenn ich mehr als 30 eBooks auf meinem PC oder meinem Kindle habe, verliere ich bei der rudimentären Filestruktur schon die Übersicht. Ich kann einzelne Dokumente nicht gruppieren oder kategorisieren.