Kindle 2 im Test

veröffentlicht am 7. April 2009

Der erste Eindruck vom Kindle 2 ist eindeutig positiv. Die grössten Ärgernisse des Kindle 1 sind behoben. Das Gerät lässt sich anfassen, ohne dass eine Taste versehentlich gedrückt wird, die ärgerliche Abdeckung auf der Rückseite ist verschwunden, der Einschaltknopf am oberen Rand angebracht. Der Kindle 2 ist bedeutend schmaler und eleganter als sein Vorgänger. Für mich die Hauptsache: Plug and Play funktioniert diesmal! Nach der Verbindung über das USB-Kabel erscheint der Kindle als Laufwerk des PCs. Mit Hilfe der Software Mobipocket Creator erstellte eBooks lassen sich in den Ordner Documents des Kindle verschieben. Et voilà: Nach dem Ausdocken des Kindles vom PC lassen sich die eBooks öffnen und lesen.

Es handelt sich bei meinen eBooks um ursprüngliche PDF-Dokumente, die ich mit Mobipocket Creator ins Format .prc umgewandelt habe. Das funktioniert sowohl mit einem selbst digitalisierten Dokument, wie auch mit einem über die ETH-Lizenz bezogenen kommerziellen E-Book im PDF-Format. Somit hat der Kindle 2 den ersten Test mit Bravour bestanden. Der Kindle 1 schmollt derweil und stellt sich tot… Recht hat er…

Der Bildschirm ist noch gleich gross oder klein wie beim Vorgänger, nämlich 6 Zoll bei 600×800 pixel. Die Lesbarkeit von reinem Text ist ausgezeichnet. Der Seitenumbruch erfolgt dynamisch je nach eingestellter Schriftgrösse. Entsprechend gilt auch hier, dass die Navigation nach Seiten nicht möglich ist, sondern über „Locations“ erfolgt. Aber wie sein Vorgänger beherrscht der Kindle 2 die Volltextsuche innerhalb der Dokumente, was das Auffinden von Textstellen erleichtert. Die QWERTY-Tastatur ist unterhalb des Bildschirms angebracht, wobei die Knöpfe zwar hübscher als beim Vorgängermodell, aber etwas gar klein geraten sind.

Sehr nett ist die Funktion, sich Texte vorlesen zu lassen. Den Horizon-Report zum Beispiel  liest „Herr Kindle“ ganz ausgezeichnet und sehr gut verständlich vor. Er blättert auch selbständig weiter, so dass ich beim Schreiben weiter berieselt werde…

Als Nutzer in Europa sind mir wichtige Funktionen des Kindle 2 verwehrt: ich kann die wireless-Funktion nicht nutzen und bin somit vom Kauf von Büchern im Kindle-Store, von der täglichen Lieferung abonnierter Zeitungen oder Zeitschriften, von Updates und von der Registrierung des Geräts abgeschnitten. Ob ich mir vorstellen könnte, auf meine gedruckte Zeitung zu verzichten, wenn ich jeden Morgen drahtlos die neueste Ausgabe auf den Kindle geliefert bekäme? Langsam könnte ich mir das tatsächlich vorstellen. Das Gerät hat einen gewaltigen Sprung gemacht und kommt nun ausgereift daher. Kritisieren möchte ich vor allem das Geschäftsmodell mit den nach wie vor proprietären Formaten. Ein eBook Reader muss einfach ein PDF-Dokument lesen können. Und für das Abonnements eines Blogs werde ich nie etwas bezahlen wollen, wie das im Kindle-Store vorgesehen ist.