iPad im Praxistest (Teil 4)

veröffentlicht am 23. April 2010

Arbeiten mit dem #iPad im wissenschaftlichen Umfeld

Das iPad ist viel mehr als nur ein eReader, so viel war schon vor der Einführung klar. Ich habe mir auch schon im Vorfeld einige Gedanken darüber gemacht, wie das iPad wohl für das wissenschaftliche Arbeiten eingesetzt werden könnte. Mit den ersten Tests ist für mich klar geworden, dass tatsächlich einiges an Potenzial im iPad angelegt ist.
Zunächst muss ich aber vorausschicken, dass ich ganz grundsätzlich davon ausgehe, dass man das iPad als mobiles Zusatzgerät einsetzen wird, das den stationären PC/Mac und/oder das Notebook ergänzt. Es wird den PC nicht ersetzen. Das zeigt nur schon die Inbetriebnahme des iPad: als erstes muss es mit dem PC/Mac und iTunes verbunden werden, um registriert zu werden. Es ist kein eigenständiges Gerät.

Im Hochschulumfeld will man in erster Linie Texte schreiben und Notizen verfassen. Mit der iPad-Version von Pages lassen sich Texte sehr gut unterwegs verfassen, als Word exportieren und mit dem PC synchronisieren. Sogar Zusammenarbeiten mit Kollegen ist über iWork möglich. Fussnoten muss man allerdings außerhalb eingeben. Das Fehlen einer Standardschnittstelle wie USB macht das Austauschen und Abgleichen der Dokumente allerdings unnötig kompliziert. Und auch die Intergration in die „Wolke“ ist noch lange nicht nahtlos. Zumindest bei den eigenen Apps von Apple (Pages, Keynote). Andere sind da schon einen Schritt weiter. Und gerade diese Apps von Drittanbietern zeigen, was uns die nahe Zukunft noch alles bringen wird.

Zur Verwaltung von Texten sind bereits einige Apps im Umlauf : ich habe GoodReader und Papers getstet… Papers läuft in der Vollversion auf dem Mac, aber nicht auf PC. Es gab schon eine erstaunlich gute App fürs iPhone, und jetzt gibt es eine Version für das iPad. Mit Papers kann man in verschiedenen Datenbanken (Web of Science, JSTOR, Arxiv etc.) nach wissenschaftlichen Papers suchen, diese in die lokale Sammlung als Volltext samt Metadaten übernehmen, in Ordnern ablegen und mit dem Mac synchronisieren. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten funktionierte der Zugriff auf die geschützten Inhalte im Web of Science und den übrigen Datenbanken über das aaiproxy der ETH Zürich. Bei Papers vermisse ich eine Tagging-Funktion und auch die mögliche Integration in Textdokumente (wie bei Endnote oder Citavi). Aber wer mit Mac arbeitet, findet hier eine gute Lösung, um seine Texte unterwegs abzulegen und zu lesen. Jetzt warten wir noch auf Citavi für iPad…

Screenshot: Applikation Papers mit einem Dokument aus Web of Science

GoodReader ist momentan eine der beliebtesten Apps für iPad, und zwar zu Recht. Man kann damit PDF-Dokumente aus unterschiedlichen Quellen, z.B. vom Dokumentenserver E-Collection herunterladen und verwalten. Dokumente lassen sich in Ordnern zusammenfassen und umbenennen. Eine Möglichkeit zum Erfassen von Metadaten habe ich aber bisher nicht entdeckt. Die gespeicherten PDF-Dokumente kann man wahlweise auch in iAnnotate PDF öffnen und dort mit Kommentaren, Markierungen, Bookmarks und Zeichnungen versehen.

Erst im zweiten Anlauf habe ich eine höchst nützliche Funktion von GoodReader gefunden: der Austausch der Daten über die „Wolke“. GoodReader bietet eine ganze Palette von Möglichkeiten, nämlich das Teilen der Dokumente über GoogleDocs, Mobile Me (Apple), Dropbox und vielen anderen, auch manuell konfigurierbaren Servern. Und das funktioniert in beide Richtungen: mit GoodReader heruntergeladene Dokumente können in die virtuellen Laufwerke von GoogleDocs, Dropbox und iDisk kopiert werden. Umgekehrt kann man ein Google Doc in verschiedenen Formaten – Word, TXT, PDF oder verschiedene Bildformate – ins Verzeichnis von GoodReader herunterladen und dann als Pages-Dokument zur Bearbeitung öffnen. OK, das ist ein gewisser Workaround, aber der Kreis hat sich geschlossen. GoodReader erhält von mir deshalb vier Sterne (der fünfte kommt, wenn man Metadaten editieren kann).

Screenshot: App GoodReader bei der Synchronisierung mit Dropbox

GoodReader hat einiges Potenzial für den Einsatz im Hochschulbereich. Ich konnte mir problemlos von der ETH-Bibliothek lizenzierte eBooks im PDF-Format herunterladen und auf dem iPad organisieren. Dazu habe ich pro Buch einen Ordner angelegt und die einzelnen Kapitel dort abgelegt und umbenannt. Das ist noch umständlich, zeigt aber, wohin die Reise gehen könnte: als Wissenschaftler nutze ich weiterhin die eBooks im PDF-Format. Gegenüber EPUB bringt das im wissenschaftlichen Kontext sehr viele Vorteile. Und das ist die gute Nachricht für Bibliotheken, denn wir sind mit dem bisherigen Angebot gar nicht so schlecht aufgestellt!
Jetzt müssten auf Verlagsseite nur noch die Metadaten in die Files eingebettet werden, beim Download eindeutige Dateinamen vergeben werden und die Apps verbessert werden. Dann kann man seine Papers wunderbar auf dem iPad organisieren und mit dem PC synchronisieren, so dass man sie immer griffbereit zur Verfügung hat.