iPad im Praxistest (Teil 1)

veröffentlicht am 23. April 2010

#iPad, Teil 1: die Hardware

Der erste Eindruck verschiedener Personen: „wow! ideales Format;“ „der ist aber schwer!“ „ist der leicht!“ – Man ist sich nicht immer einig, aber der Faszination des iPad kann man sich kaum entziehen. Rund um das Gerät wurde schon viel geschrieben. Die technischen Daten findet man auf der Homepage von Apple. Positiv fällt die lange Laufzeit des Akku auf (um die 10 Stunden bei Vollbetrieb). Den Touchscreen mit der Multitouch-Funktionalität kennt man vom iPhone, nur ist er nun so groß (9.7 Zoll), dass derjenige des iPhone im Vergleich geradezu winzig wirkt.

Was mich fast umhaut, ist die Geschwindigkeit des iPad: ohne Verzögerung startet das Gerät und ist in Sekundenbruchteilen betriebsbereit. Bis der Homescreen bereit ist, dauert es (inklusive Entriegeln, aber ohne Code-Eingabe) handgestoppte 2.3 Sekunden. Im Vergleich zu meinem aktuellen PC (4:30 Minuten oder 270 Sekunden) ist das ein Faktor 100 schneller! Das bringt einen riesigen Vorteil gegenüber PC und Notebook, und der könnte spielentscheidend sein. Schon bisher nutzte ich für kurze Ausflüge ins Web lieber das iPhone als den PC. Und mit dem iPad wird das noch verstärkt der Fall sein, da bin ich mir ganz sicher. Mittlerweile lese ich während des Aufstartens des PCs die neusten Twittermeldungen auf dem iPad.
Die Performance des Browsers ist enorm hoch. Normale Webseiten werden sehr schnell aufgerufen und brillant dargestellt. Bsp: Tagesanzeiger und NZZ online oder das Wissensportal der ETH-Bibliothek (zumindest die Testversion…). Speziell präparierte mobile Seiten braucht es für das iPad nicht.

Die erste lieferbare Generation iPads verfügt nur über WiFi, aber keine 3G-Verbindung. Die Modelle mit beiden Verbindungsmöglichkeiten sollen Ende April ausgeliefert werden. Wer sein Gerät in den USA bestellt, könnte die 3G-Version in Europa vermutlich ohnehin nicht nutzen, so wie das mit den US-Modellen des Kindle der Fall war. Allerdings verfügt die 3G-Version offenbar über einen Fach für eine Micro-SIM-Karte, die sich demnach wohl austauschen lässt. Aber ich würde das Risiko nicht eingehen und bis Ende Mai warten, bis alle Modelle auch i n Europa erhältlich sind. Wer denkt, dass es keinen großen Unterschied mache, ob das iPad mit oder ohne SIM-Karte läuft, irrt sich gewaltig. Ich hatte vor dem iPhone einen iPod Touch. Damit musste ich mir jeweils am Bahnhof oder in den Städten einen Platz suchen, wo ich drahtlosen und hoffentlich kostenlosen Netzzugang hatte. Es gibt keine Push-Dienste, kein SMS. Erst mit dem iPhone wurde das Web für mich zum ständigen Begleiter. Für mich bedeutet dies reales „ubiquitous Computing“. Und so wird es auch mit dem iPad mit (respektive eben ohne) 3G-Modul sein. Ach ja, noch ein kleiner Wermutstropfen, den uns Steve da einschenkt: Tethering funktioniert nicht vom iPad zum iPhone. Man kann also das iPhone nicht als Modem unterwegs nutzen. In den User-Foren hat dies schon zu hitzigen Diskussionen geführt. Es kursiert eine Mail mit der Antwort von Steve Jobs, das mit zwei Buchstaben auf die Frage antwortet, ob es Tethering für das iPad gebe: „NO“.
Deshalb: es lohnt sich, auf die Variante mit 3G zu warten. Oder sich nach Alternativen umzusehen… Wobei die Preismodelle für die benötigten Telecom-Dienste noch nicht bekannt sind.

Wer nicht bis Ende Mai warten mag, kann das iPad auf verschiedenen Kanälen in den USA besorgen. In der Schweiz hat Digitec einige Geräte als Grauimport für einen stolzen Preis angeboten 799 Fr. für die 16GB-Variante. Ich habe mein iPad über den Dienst usunlocked direkt in den USA gekauft. Allerdings versucht Apple diese Weiterverkäufe zu unterbinden, und gemäß neustem Blogeintrag von usunlocked wurden diese Bestellungen jetzt von Apple storniert. Dann bliebe wohl nur der Weg über einen Bekannten in den USA, der das iPad selber kauft und dann nach Europa schickt…

Die virtuelle Tastatur ist besonders im Querformat erstaunlich gross, und sie passt sich der Umgebung an. Doch mit Zehnfingersystem ist nichts auf der virtuellen Tastatur des iPad. Es fehlen die Auflagefläche zum Abstützen der Handballen und die Rückmeldung der Tastatur. Zudem ist die Tastatur sehr sensibel, was beim Blindschreiben zu vielen Vertippern führt. Man kann relativ fehlerfrei mit zwei Fingern schreiben, das klappt ganz gut. Es ist Ehrensache, dass dieser gesamte Blogbeitrag auf dem iPad geschrieben wurde (in Pages und dann WordPress).
Diesen Text habe ich problemlos bei direkter Sonneneinstrahlung draußen auf Pages getippt. Es blendet zwar schon recht stark, aber der Text ist trotzdem gut zu lesen.
Ich sitze mit überschlagenen Beinen lässig im Garten das iPad im Querformat auf den Oberschenkeln. So stimmt der Winkel, und das iPad liegt ruhig ohne zu rutschen. Im Zug, bei beengten Platzverhältnissen, ist das schon etwas schwieriger. Man braucht einfach einen freien Platz neben und einen gegenüber sich…

Perfekt ist das iPad bei weitem nicht, das habe ich auch nicht erwartet. Die Mängelliste ist erstaunlich lang. Es fehlen für den produktiven Einsatz sehr zentrale und bewährte Schnittstellen und Funktionen. Hier meine Mängel- und gleichzeitig Wunschliste an Apple:
USB-Anschluss: weshalb macht man uns das Laden und den Transfer von Dokumenten nicht so einfach wie im normalen Leben? Alternative wäre die konsequente Integration in die Wolke, aber das ist mit dem proprietären Dienst von iWork.com erst im Ansatz angedeutet. Klar, hier ist Potential für viele clevere Apps. GoogleDocs, bitte kommen! Würde das iPad mit USB-Schnittstelle die MacBooks zu stark konkurrenzieren?
Flash: mich interessiert die Diskussion, ob Flash unsauber programmiert oder proprietär sei, ehrlich gesagt überhaupt nicht. Tatsache ist, dass viele nützliche Dienste und Websites ohne Flash nicht funktionieren. Und das nervt.
Kamera: für Video-Chat wäre das iPad wie geschaffen. Das Fehlen der Kamera in Version 1 entspricht bestimmt der Marketingstrategie von Apple. Schließlich sollen auch Käufer der erste dann die verbesserte zweite Version kaufen….