Horizon Report 2012 erschienen

veröffentlicht am 1. März 2012

Darf ein so wichtiger Report einfach während meinen Ferien erscheinen? Fast hätte ich die Veröffentlichung des neusten Horizon Reports verpasst. Dabei ist er doch die wichtigste Grundlage für die Einschätzung von Trends im Bereich Hochschulen und Bibliotheken. Meine Erwartungen wurden auch dieses Jahr nicht enttäuscht: Der Bericht ist wie immer fundiert und bringt es – jedenfalls beim kürzeren Zeithorizont – absolut auf den Punkt. I like it!

Key Trends

Zunächst werden die Schlüsseltrends dargestellt:

  1. People expect to be able to work, learn, and study whenever and wherever they want to.
  2. The technologies we use are increasingly cloud-based, and our notions of IT support are decentralized.
  3. The world of work is increasingly collaborative, driving changes in the way student projects are structured.
  4. The abundance of resources and relationships made easily accessible via the Internet is increasingly challenging us to revisit our roles as educators.
  5. Education paradigms are shifting to include online learning, hybrid learning and collaborative models.
  6. There is a new emphasis in the classroom on more challenge-based and active learning.
Diese Trends beziehen sich sehr stark auf den Bildungsbereich, aber sie können durchaus auch auf Bibliotheken übertragen werden. Trend 1 ist alles andere als neu, hat sich aber durch die mobile Nutzung noch weiter verstärkt. Trend 2 ist eine Feststellung, mit der Dienstleister an Hochschulen noch häufiger konfrontiert werden: Die Benutzer helfen sich selbst und nutzen wild die einfachen Cloud-Dienste (Dropbox, Google, iCloud uvm.), ohne sich um Sicherheitsfragen zu kümmern. Hier besteht ganz klar das Bedürfnis nach Cloud-Diensten, die so einfach integriert werden können wie Dropbox, aber innerhalb der Sicherheitsschranken der Hochschule angeboten werden können. Auch Trend 3 ist nicht wirklich neu, wird aber durch diese Tools und Anwendungen noch relevanter. Für das kollaborative Arbeiten sind geeignete Tools gefragt. Die virtuellen Forschungsumgebungen sind dazu ein aktuelles Stichwort.

Challenges

Anschliessend werden die Herausforderungen formuliert:
  1. Economic pressures and new models of education are bringing unprecedented competition to the traditional models of higher education.
  2. Appropriate metrics of evaluation lag the emergence of new scholarly forms of authoring, publishing, and researching.
  3. Digital media literacy continues its rise in importance as a key skill in every discipline and profession.
  4. Institutional barriers present formidable challenges to moving forward in a constructive way with emerging technologies.
  5. New modes of scholarship are presenting significant challenges for libraries and university collections, how scholarship is documented, and the business models to support these activities.
Damit sind die Bibliotheken direkt angesprochen: Digital media literacy gesellt sich nun zur information literacy, und beides soll und kann Aufgabe von Bibliotheken sein. Der Umgang mit neuen Technologien (ich lese: Innovationsmanagement) wird eine wichtige Herausforderung für Hochschulen und Bibliotheken. Neue Formen des Publizierens und Forschens fordern von den Bibliotheken neue Lösungen zur Dokumentation (Präsentation, Archivierung) der Aktivitäten von Lehrenden und Forschenden. Diese Aussagen kann ich unterschreiben…

Technologies to Watch

Und schliesslich das, worauf wir alle speziell gewartet haben: welche Technologien müssen wir im Auge behalten? Der Horizon Report unterscheidet wie üblich drei Zeithorizonte: ein Jahr, zwei bis drei Jahre, vier bis fünf Jahre. Und die Gewinner sind:
  • Time-to-adoption: 1 year
    • Mobile Apps
    • Tablet Computing
  • Time-to-adoption: 2-3 years:
    • Game-Based-Learning
    • Learning Analytics
  • Time-to-adoption: 4-5 years:
    • Gesture Based Computing
    • Internet of Things

Klar unterstütze ich die Themen für den nächstliegen Zeithorizont voll – ausser vielleicht mit der Ergänzung, dass die native Apps von den WebApps Konkurrenz erhalten. Insgesamt wird der Einfluss der mobilen Technologien auf die gesamte ICT-Landschaft weiter massiv zunehmen. Sogar die Betriebssysteme der PCs nähern sich den Technologien und Funktionalitäten der mobilen Anwendungen an. Die Tablets haben einen rasanten Aufschwung hinter sich – und gleichzeitig vor sich. Über Weihnachten hat sich der Anteil US-Amerikaner, die ein Tablet besitzen schlicht verdoppelt! Heute besitzt schon jeder Fünfte ein Tablet (und auch jeder Fünfte einen E-Book-Reader, notabene), wie ein aktueller Report von Pew Internet zeigt. Spannende Zeiten kommen da auf uns zu!