eReader im Test: Bookeen Cybook Opus (2010 Edition)

veröffentlicht am 3. September 2010

Von Christian Winterhalter

Wer schon immer einmal stolzer Lenker einer eigenen „Fahrbücherei“ sein wollte, für den bietet der französische Hersteller Bookeen ein unschlagbares Angebot: den Cybook Opus für nur 249 CHF bzw. 199,90 €. Leider entpuppt sich das vermeintliche Gefährt dann letztlich doch nicht als Bus oder LKW, sondern als E-Book-Reader, dessen mehrsprachige Verpackungsbeschreibung (und Gebrauchsanleitung!) wohl nicht mehr in allen Teilen Korrektur gelesen wurde. Aber schöner als „digitales Lesegerät“ klingt „Fahrbücherei“ oder „mobile library“ doch allemal…!
Ist diese erste „Enttäuschung“ überwunden, entpuppt sich der Cybook Opus jedoch in der Praxis als ein – in bestimmten Bereichen – recht brauchbarer E-Book-Reader. Nach einem ersten Release im Juli 2009 hat der Hersteller nun im Mai eine überarbeitete Version (verbesserte Firmware etc.) herausgebracht und im Gegensatz zum inzwischen insolventen Interead (COOL-ER) wohl auch eine realistischere Markteinschätzung getroffen, was sich in der Senkung des Preises von 249 auf knapp 200 € ausdrückt.
Mit seinen 150 Gramm und Abmessungen von nur 151 x 108 x 10 mm ist das Gerät äusserst leicht und handlich. Diese Handlichkeit findet ihre Entsprechung in der übersichtlichen Anordnung der Bedientasten auf der Vorderseite, die dadurch gut erreichbar sind. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die vermutlich aus ergonomischen Gründen vorgenommene Umkehrung der Blätterfunktion (oben=vor, unten=zurück) im Vergleich zum zentralen Navigationsbutton. Das Blättern selbst geht zügig vonstatten. Auch die Navigation in den Ordnerstrukturen und Einstellungsmenüs funktioniert gut und ist in der Regel intuitiv nachvollziehbar. Erwähnenswert ist auch der integrierte G-Sensor für die automatische Ausrichtung des Displays, der jedoch manchmal bei leichter Schräghaltung etwas sensibel reagiert.


Trotz des kleinen E-Ink-Bildschirms von nur 5 Zoll werden die (Text-)Inhalte klar dargestellt (200 dpi), und die Schriftgrössen lassen sich bei „originären“ E-Book-Formaten innerhalb einer Skala von 12 Stufen regulieren. Dies funktioniert zumindest im EPUB-und HTML-Format. Bei der Wiedergabe von PDF-Dokumenten gerät der Cybook Opus jedoch an Grenzen. Wer diese in der Vollansicht (oder zumindest auf zwei Seiten aufgeteilt) lesen möchte, muss schon ein geübter Leser von Robert Walsers Mikrogrammen sein… Der kleine Bildschirm und die Beschränkung auf die Zoom-Funktion lassen das Lesen von PDFs somit zum fortwährenden Sehtest werden. Oder aber (bei vergrösserter Anzeige) zu einem wahrhaften Navigationstraining. Misslich ist auch, dass der Opus nicht bei allen Formaten die Möglichkeit zum Setzen von Lesezeichen zulässt (wiedergeben lassen sich die Formate PDF, EPUB, FB2, TXT, HTML, mobipocket sowie JPEG, GIF und PNG) und auch keine Möglichkeit der Suche bietet. Für den Gebrauch im Kontext des wissenschaftlichen Arbeitens erscheint der Opus somit kaum geeignet.
Fazit: Der in sieben verschiedenen Farben erhältliche Cybook Opus gehört zweifellos zu den besseren eReadern (für den Freizeitbereich), obschon man sich noch die ein oder andere Funktion zusätzlich wünschen würde. Wenn der Preis sich noch von der 200-Euro-Marke entfernen würde, könnte Bookeen sich mit dem Opus in diesem Segment der kompakten, sich auf Kernfunktionen beschränkenden Lesegräte durchaus gegenüber grösseren Konkurrenten etablieren. Dazu gehört allerdings auch ein professionelleres Marketing bzw. kompetente Übersetzer …

Den Testbericht zum Bookeen hat unser Gast von der Humboldt-Uni, Christian Winterhalter verfasst, dem an dieser Stelle herzlich gedankt sei!