eReader im Praxistest: Nook Color

veröffentlicht am 10. Januar 2011

Während die Welt über die an der CES angekündigten Tablets diskutiert, widme ich mich den real kaufbaren Geräten. Der Nook Color ist ja schon im Oktober in den USA in den Handel gekommen, nun hat die ETH-Bibliothek ein Gerät angeschafft.

Allgemeine Informationen zum Nook Color

Der Nook Color lässt sich nicht mit dem Vorgängermodell Nook vergleichen. Das E-Ink-Display des ersten Modells ist einem Multitouch-Farbdisplay mit IPS-Technologie gewichen. Und aus dem klassischen E-Book-Reader ist ein Zwischending zwischen eReader und Tablet geworden. Barnes & Noble wagen einen grossen Sprung – und das Resultat ist überraschend gut. Allerdings ist zu bezweifeln, ob das Device im harten Konkurrenzkampf mit eReadern (Kindle und Co.) sowie Tablets ohne klare Positionierung bestehen kann.

Der 7-Zoll-Bildschirm weist mit 1024×600 Pixel eine hohe Auflösung auf, die sowohl beim Lesen von E-Books wie auch beim Browsen im Internet qualitativ überzeugt. Als Betriebssystem wird Android in der leider schon etwas veralteten Version 2.1 eingesetzt. Man erkennt es gut am virtuellen Schieberegler, mit dem man das Gerät startet. Funktional bietet das System aber nur einen Bruchteil der Möglichkeiten. Ausser dem E-Reader und dem Browser werden noch ein paar Spiele und Kontakte geboten. Ein eigener App Store ist aber in Planung. Ob die Entwickler dann bereit sind, auch noch für diese Plattform ihre Apps anzupassen, ist allerdings eine offene Frage.

Das Display sieht im Original viel brillanter aus – der Nook Color wehrt sich gegen das Fotografieren mit Digitalkamera…

Das Gerät ist in Europa noch nicht offiziell erhältlich. Die US-Version funktioniert einwandfrei im WLAN. Ich habe noch selten ein Device gesehen, dass sich so problemlos mit dem drahtlosen Netzwerk verbinden lässt, da ist der Nook Color nah am iPad. Die 3G-Version läuft nur in Nordamerika. Bei den Inhalten des Store ist die Einschränkung auf Nordamerika besonders schmerzlich: Im Online-Store von Barnes & Noble kann nur mit amerikanischer Kreditkarte bezahlt werden. Damit lassen sich die meisten der 2 Millionen E-Books und die E-Paper-Versionen der Zeitschriften leider nicht kaufen. Auch nicht als Probeabo herunterladen.

Funktionen zur Nutzung von E-Books

Hauptfunktion ist das Lesen von E-Books. Eigene Dateien im Format EPUB oder PDF können via USB direkt ins entsprechende Verzeichnis auf dem Device geladen werden. Alternativ kann auch die Software Calibre für die Verwaltung der E-Books genutzt werden. Adobe Digital Editions ist bereits installiert, so dass der Nook mit DRM-geschützten E-Books umgehen kann. Auch die früher hier beschriebenen Onleihe wird entsprechend unterstützt. Das Laden der Bücher sowie die Anzeige sind angenehm schnell. Bei der Anzeige hat der Nook Color nun alle Vor- und Nachteile eines LCD-Displays gegenüber dem E-Ink-Vorgängermodell. Dank der hohen Auflösung sind die Schriften und Bilder sehr scharf. Nur bei grossformatigen PDF-Dokumenten limitiert die Bildschirmgrösse das Lesevergnügen. Der Nook Color bietet eine Funktion, die ich auf anderen Geräten schon vermisst habe: eine Empfehlung oder ein lesenswertes Zitat mit meinen Freunden teilen. Man kann eine Passage markieren und entweder per Mail oder über die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter seinen Freunden weiter empfehlen. Im Prinzip, denn bei meinem Test funktionierte dieser Dienst nicht wie gewünscht. Auch das Update auf die neuste Version des Betriebssystems zeitigte keinen Erfolg. Das im User Guide beschriebene „Share a Quote“-Fenster erscheint bei meinem Nook Color leider nicht. Update: mit einem Sample-Buch aus dem B&N-Store klappt es – somit ist auch diese Funktion auf Bücher aus dem hauseigenen Store beschränkt.

Mangels Freunden, die einen Nook mit der Funktion „LendMe Books“ besitzen, und mangels im B&N Store gekauften E-Books konnte ich auch die Ausleihe von E-Books an andere Personen nicht testen. Mit dieser Applikation könnte ich bei B&N gekaufte und entsprechend gekennzeichnete E-Books für 14 Tage an andere Personen mit bei B&N registriertem Nook ausleihen, wobei ich selber dann in dieser Zeit nicht auf das E-Book zugreifen könnte. Es gibt da also einige Einschränkungen…

Gesamturteil

Der Nook Color ist eine gelungene Neuversion, die sich markant vom Vorgängermodell unterscheidet. Er ist halb E-Reader und halb Tablet, wobei nur sehr wenige zusätzliche Funktionen geboten werden. Dafür weist er eine hohe Performance auf, bietet eine sehr gute Darstellungsqualität und ist intuitiv zu bedienen. Die Einstellung des WLAN ist vorbildlich einfach. Seinen vollen Funktionsumfang spielt der Nook Color in Europa leider noch nicht aus. Preislich liegt der Nook Color über dem E-Ink-Modell Nook ($ 149.-), doch mit Fr. 329.- oder US $ 249.- deutlich unter den Tablets.