28 Einsatz von eReadern in Studium und Lehre

veröffentlicht am 27. Januar 2011

Gibt es neue Erkenntnisse, was den Einsatz von eReadern im Hochschulbetrieb betrifft? An einer Schulungsveranstaltung der ETH-Bibliothek habe ich (wieder einmal) über das Thema gesprochen. In Bezug auf die Aussagen, die ich im Handbuch Bibliotheken 2.0 gemacht habe, lassen sich folgende neueren Entwicklungen festhalten:

  • Das iPad hat an Verkaufszahlen innerhalb von 9 Monaten alle E-Book-Reader übertroffen. 2010 war also das Jahr des iPads, nicht der E-Book-Reader. Und auch nicht der Tablets, denn die Konkurrenz musste Apple praktisch ein Jahr Vorsprung geben. Nur wenige der anfangs 2010 angekündigten Geräte sind tatsächlich auf den Markt gekommen. Doch 2011 werden einige vielversprechende Tablets versuchen, das iPad 2 herauszufordern.
  • Die auf E-Ink basierenden E-Book-Reader haben vor allem im Tiefpreissegment eine Chance. Kindle und Nook, die mittlerweile für unter 150 $ zu haben sind, haben ein deutliches Zeichen gesetzt.
  • Das Angebot an E-Books ist in Europa noch immer bescheiden. Amazon verkauft mittlerweile die Kindle-Books auch in Europa, aber weiterhin fast ausschliesslich englischsprachige Titel. Barnes&Noble und auch Google bieten ihre Titel überhaupt nur in den USA an. Zudem sind die Preise in Europa zu hoch. Besonders angesichts der Tatsache, dass die Nutzung durch die eingesetzten DRM stark eingeschränkt ist.
  • Auch das Angebot an multimedial angereicherten Lehrbüchern, wie es von CourseSmart online und auf dem iPad zu haben ist, kann leider nur in den USA genutzt werden.
  • Die Verlagsangebote im Wissenschaftsbereich sind nach wie vor benutzerunfreundlich. Zum Lesen auf einem mobilen Gerät sind die kapitelweise herunterzuladenden PDF-Dokumente nicht wirklich geeignet. Nur gerade mit GoodReader auf dem iPad schafft man es mit Mühe. Die Kunden wollen komplette E-Books, wie sie zum Beispiel von Palgrave Connect angeboten werden. Zum Teil sogar als EPUB ohne DRM! Mehr dazu bald in diesem Blog.
  • Von allen eReadern eignet sich nur das iPad zum Einsatz im Studium, wenn auch mit Abstrichen. Voraussetzung sind installierte Apps wie GoodReader (zum Herunterladen, Organisieren, Lesen und Bearbeiten von PDF-Dokumenten), Dropbox (zum online Abspeichern der Dokumente), QuickOffice oder Pages (zum Schreiben und Bearbeiten von Textdokumenten) oder Keynote bzw. QuickOffice zum Bearbeiten und Vorführen von Präsentationen.
  • Modelle zur Onleihe oder E-Lending sind zwar technisch vorhanden. Alle  basieren auf dem DRM Adobe Adept. Das funktiniert zwar mit den meisten Readern (und mit der App BlufireReader auch mit dem iPad), doch sind die Lizenzmodelle und die Inhalte für eine Hochschulbibliothek noch nicht genügend. Gerade wenn eine Bibliothek schon zehntausende E-Book gekauft hat, macht es keinen Sinn, dieselben Titel bei einem Dienstleister für E-Lending nochmals zu lizenzieren. Auch hier sind die Verlage gefordert, die alleine oder mit Aggregatoren ein Paket anbieten müssen, das punkto Preis, Inhalt und Format überzeugt.