eBooks: PDF-Revival dank iPad?

veröffentlicht am 27. April 2010

Das Pdf ist tot, lang lebe das Pdf! Während ich die verschiedenen dedizierten eReader testete, gelangte ich zur Überzeugung, dass als eBook-Format eigentlich nur das EPUB eine Zukunft hat. Die meisten Reader sind für die Anzeige von PDF-Dokumenten zu klein oder bieten zu wenig Funktionen, wie z.B. Vergrössern eines Ausschnitts. Um ein belletristisches Werk auf einem eReader oder einem Smart Phone zu lesen, eignet sich das EPUB eigentlich ideal. Allerdings habe ich auch festgestellt, dass das EPUB gerade im naturwissenschaftlichen Umfeld auf enge Grenzen stösst, sobald es um die Darstellung von Formeln, Tabellen, farbigen Grafiken und ähnlichem geht.

Und jetzt kommt also das iPad, das sich gegenüber offenem EPUB (noch) verschlossen zeigt, dafür hervorragend mit PDF umgehen kann. Das beginnt bei der Anzeige, dem Rendering des Dokuments beim Zoomen in Ausschnitte, der Darstellung farbiger Inhalte auf dem 9.7-Zoll-Bildschirm, der für ein A4-Pdf wie geschaffen ist. Das geht weiter mit dem Handling der Dateien, für die es schon zu Beginn sehr nützliche Applikationen gibt, wie z.B. den GoodReader. Damit lassen sich PDF-Dokumente von Webseiten herunterladen und verwalten. Mit iAnnotate PDF kann man – zumindest ansatzweise – auch PDF-Dokumente bearbeiten (annotieren, markieren etc.).

Diese Ausgangslage ist in mehrfacher Hinsicht interessant, vor allem für eBooks im wissenschaftlichen Umfeld sowie für Zeitungen.

Use Case wissenschaftliche eBooks: das aktuelle Angebot der Wissenschaftsverlage kam mir mit dem Modell kapitelweiser PDF-Dokumente zum Download aus dem Hochschulnetzwerk ziemlich veraltet vor. Nun zeigt sich, dass genau dies vom iPad bestens unterstützt wird: es ist VPN fähig, wodurch sich wie vom PC im Büro aus auf die mit IP-Range geschützten Inhalte der Verlage zugreifen lässt. Beim PDF entfallen alle Probleme mit Layout, Darstellung von Grafiken, Formeln etc. Ich kann mir parallel (noch besser, wenn das iPad Multitasking unterstützte…) Notizen machen und Textpassagen oder Screenshots in ein Textdokument einfügen. Eindeutiger Vorteil beim PDF gegenüber dem EPUB.

Screenshot: Zugriff auf eBooks von SpringerLink via GoodReader und VPN

Use Case Zeitungen: eigentlich habe ich die ePapers als Auslaufmodell eines digitalen Angebots belächelt. Ich meine, heute hat doch jede Zeitung ein umfassendes Webangebot, das ich auch schnell per iPhone konsultieren kann. Kleiner Wermutstropfen: in der Regel enthält das Webangebot nicht sämtliche Inhalte der gedruckten Zeitung. Als Pendler bin ich darauf angewiesen, dass mir die abonnierte Tageszeitung am Morgen früh nach Hause geliefert wird. Dank dem ePaper und dem iPad wird es mich künftig nicht mehr ärgern, wenn die Zeitung noch nicht im Briefkasten war. Ich verbinde mich mit dem WLAN und lade nach dem Einloggen die 25 MB grosse PDF-Datei auf mein Gerät (am besten via GoodReader, dann bleibt es lokal gespeichert). Und im Zug kann ich durch die Zeitung blättern, Ausschnitte vergrössern – und mir auch schnell einen Screenshot von einer interessanten Seite oder einem Beitrag machen, den ich anschliessend auch per Mail verschicken kann oder mir im Büro auf den PC laden kann. Natürlich sind tägliche Downloads von 25MB nicht gerade ideal, wenn ich keine Flatrate oder keinen Zugriff auf freies öffentliches WLAN habe. Aber für die Anwendung unterwegs – gerade auch, wenn ich im Ausland bin – ist das mehr als eine Notlösung.

Screenshot: die Startseite des Tages-Anzeigers als ePaper

Beim ePaper würde ich mir jetzt einfach noch einen einfacheren Bezug wünschen, so dass mir auf Wunsch die Zeitung ungefragt in den virtuellen Briefkasten gelegt wird und das tägliche Einloggen und Auswahlprozedere entfällt…
Es würde mich interessieren, ob andere diese Einschätzung mit mir teilen – nutzt doch einfach die Kommentarfunktion, falls ihr eure Meinung dazu äussern möchtet. Herzlichen Dank!