7 E-Book-Reader und ihre Auswirkungen auf Bibliotheken

Erschienen in: Handbuch Bibliothek 2.0. Hrsg. von Julia Bergmann und Patrick Danowski. Berlin, New York 2010, S. 207–222.

E-Books und Lesegeräte – ein Rückblick

Das Jahr 2010 wurde zwar schon als Jahr der E-Book-Reader bezeichnet, doch sind mobile Lesegeräte für elektronische Bücher keine neue Erscheinung. Denn die Revolution des Lesens wurde schon mehrfach angekündigt. Den ersten Electronic Book Reader brachte Sony 1990 auf den Markt: Der Data Discman konnte elektronische Bücher im EBG-Standard anzeigen, die auf einem speziellen Datenträger eingelesen wurden. Auch Apples Newton (ab 1993) bot die Möglichkeit, E-Books im Format Newton eBook zu lesen. Ende der 90er Jahren folgten der SoftBook Reader, das Rocketbook sowie das Cybook (Gen1).[1] Es wurde intensiv die Frage diskutiert, ob künftig Bücher nur noch auf solchen tragbaren Geräten gelesen würden und ob das nun das Ende von Buchhandel und Bibliotheken sei. Doch diese erste Generation eReader konnte sich nicht durchsetzen. Interessant sind aus heutiger Sicht die Gründe, die für das Scheitern des Gemstar Rocketbook verantwortlich gemacht wurden (Tischer: Goodbye eBook).

  • Zu teure E-Books auf einem teuren Gerät
  • Proprietäre Plattform, auf die keine eigenen Bücher geladen werden können.
  • eReader waren zu gross und zu schwer (im Vergleich zu Handhelds)
  • Nachteil gegenüber multifunktionalen Handhelds
  • Restriktives DRM, welches das Lesen eines E-Books auf ein Gerät beschränkte

Diese erste Generation wies jedoch auch technische Mängel auf, die über das vergleichsweise grosse Gewicht hinausgingen. Die LCD-Bildschirme waren nicht gerade angenehm zum Lesen, der Speicherplatz und die Akkulaufzeit beschränkt. Hier setzten in der Folge die technischen Entwicklungen ein.

Sony blieb einer der aktivsten Akteure in diesem Markt. Das Modell Librié, das 2004 in Japan auf den Markt kam, löste die geschilderten technischen Probleme der ersten Generation weitgehend.[2] Vor allem das neu entwickelte elektronische Paper E-Ink brachte eine massiv verbesserte Darstellung (allerdings ohne Farbe) und gleichzeitig auch reduzierten Strombedarf. Schon in den 1970er Jahren hatte Xerox elektronisches Papier entwickelt (Gyricon), das aus statisch geladenen zweifarbigen Kügelchen bestand. In den 1990er Jahren entwickelte Joseph Jacobson am MIT eine andere Methode, die Elektrophorese. Bei diesem Verfahren schwimmen weisse Partikel, bzw. Mikrokapseln, in dunkel gefärbtem Öl. Je nach elektrischer Ladung schwimmen die weissen Kügelchen an der Oberfläche oder tauchen ab.[3]

Abb.1: Basic Schema of an Electrophoretic Display (Quelle: Wikimedia, Autor: Gerald Senarclens de Grancy)

Die zweite Generation der E-Book-Reader basiert entsprechend auf der Grundlage der E-Ink.[4] Doch der Durchbruch liess weiterhin auf sich warten. Auch dem Sony Reader, dem iLiad der Firma iRex Technologies, dem Hanlin V2 von Jinke Electronics (alle 2006 lanciert) oder dem Cybook der Firma Bookeen (2007) gelang dieser nicht.

Die zweite Generation E-Book-Reader

Es war der im November 2007 präsentierte Amazon Kindle, der den E-Book-Readern einen zweiten Frühling verschaffte. Entscheidend dürfte beim Markterfolg die Anbindung an den Amazon Online-Shop mit dem grossen Angebot an E-Books gewesen sein (beim Start 88‘000 verfügbare E-Books,[5] Ende 2009 ca. 500‘000). Zudem subventionierte Amazon gezielt die elektronischen Titel, um sich einen grösseren Marktanteil zu verschaffen. Mit einem Durchschnittspreis von 9.99$ blieb Amazon deutlich unter dem Listenpreis für Paperpacks und etwa 3$ unter dem Preis der Konkurrenz, was wiederum den Buchhandel und die Verlage in Aufruhr brachte (vgl. Auletta, Publish). Der Kindle als mobiles Lesegerät wirkte in seiner ersten Version noch wenig attraktiv,[6] doch folgten 2009 mit dem Kindle 2 und dem Kindle DX stark verbesserte Versionen.[7] Der Erfolg des Kindle ist weniger den technischen Vorzügen gegenüber der Konkurrenz zuzuschreiben, als viel mehr dem sehr umfangreichen Angebot an relativ günstigen E-Books im Amazon Kindle Store. Mit dem Kindle DX und seinem grösseren Bildschirm (9.7-Zoll eInk) sprach Amazon neben den Lesern von Belletristik auch Hochschulangehörige und Zeitungsleserinnen und –leser an, die grösser formatierte Texte lesen wollen.

Abb.2: Drei E-Book-Reader der zweiten Generation, basierend auf eInk-Technologie (Sony PRS-505, Kindle 2, nook)

Die zweite Generation der E-Book-Reader scheint in erster Linie ältere Semester anzusprechen. Die Auswertung des User-Forums von Amazon hat (nicht wissenschaftlich erhärtet) ergeben, dass die Mehrheit der Anwender über 50 Jahre alt ist und 70% über 40. Die Generation der Lesebrillenträger scheint in erster Linie die Möglichkeit zu schätzen, die Schriftgrösse variabel einstellen zu können. Jüngere Generationen scheinen sich durch das eher konservative Design und eventuell auch die ruhigen schwarz-weissen Bildschirmseiten weniger für diese Geräte zu interessieren.

E-Book-Formate

Wie bei der Einführung früherer elektronischer Medien haben es die Konsumenten in der frühen Phase der neuen Technologie mit mehreren Dateiformaten zu tun, die untereinander nicht kompatibel sind. Während Sony seit einiger Zeit schon auf das Format EPUB setzt, entschied sich Amazon für eine Variante des Formats Mobipocket. Beide versehen die käuflichen E-Books mit einem Digital Rights Management (DRM), wodurch diese Titel nur auf registrierten Geräten gelesen werden können.

Das Format EPUB

EPUB wird von den meisten gängigen Readern (ausser Kindle und iRex) unterstützt. EPUB eignet sich für die Anwendung auf mobilen Lesegeräten, da es den Text an die Bildschirmgrösse anpasst. Sowohl Satzspiegel wie Seitenumbruch sind fliessend, und die Schriftgrösse kann individuell angepasst werden. Im Gegensatz zum PDF also, das sich durch einen festen Schriftsatz auszeichnet aber dadurch auf kleinen Bildschirmen schlecht lesbar ist. Der EPUB-Standard wurde 2007 vom International Digital Publishing Forum (IDPF) entwickelt und basiert auf dem freien Standard XML.[8] Es ist eine Zusammenfassung der drei offenen Standards der Open Publication Structure (OPS) für die Formatierung des Inhalts, dem Open Packaging Format (OPF) für die Beschreibung der Struktur der .epub-Dateien in XML und dem OEBPS Container Format (OCF), welches die Dateien zusammenfasst als Zip-Datei.

EPUB kennt verschiedene Formatierungen (Header, Paragraph) und kann somit wie eine Webseite Überschriften in unterschiedlicher Hierarchie erkennen und darstellen. Die Möglichkeiten Text zu formatieren entsprechen mehr oder weniger denen einer Webseite. Wenn man sich ein EPUB-Dokument im Quelltext ansieht, erkennt man die XML-Grundlage und die Ähnlichkeit mit Webpages. Wegen des fliessenden Zeilen- und Seitenumbruchs sind Seitenzahlen relativ, und Fussnoten machen keinen Sinn. Endnotenzeichen und Endnotentext können über Hyperlinks miteinander verknüpft werden. Auch Bilder lassen sich wie in eine Webseite integrieren, doch sollten diese sich ebenfalls an unterschiedliche Bildschirmgrössen anpassen können.

Abb.3: Screenshot des Quelltextes eines EPUB-Dokuments in der Anwendung SIGIL

Das EPUB eignet sich sehr gut zur Darstellung einfacher Texte und somit für Belletristik. Das ursprüngliche Layout des gedruckten Buches geht dabei jedoch verloren. Mit Hilfe geeigneter Software (zum Beispiel Calibre)  lassen sich eigene Texte relativ einfach in EPUB-Dokumente umwandeln. Problematischer ist der Einsatz im naturwissenschaftlichen Umfeld, da z.B. Formeln nur als Bild angezeigt werden können. Auch Tabellen werden selten korrekt angezeigt.

Abb.4: 2 Screenshots: Ein E-Book im Format EPUB auf dem iPhone: links Textpassage mit Endnotenzeichen, die mit den Endnoten (rechts) verlinkt sind.

Das Format Mobipocket

Das Konkurrenzformat Mobipocket ist insbesondere in der Amazon-Version AZW weit verbreitet. Mobipocket wurde ursprünglich als plattformübergreifendes Format entwickelt, um die Darstellung von E-Books auf Handhelds und PCs zu ermöglichen. Es entspricht dem Open eBook-Standard. Eigene Texte lassen sich mit Hilfe der Software Mobipocket Creator ins entsprechende E-Book-Format umwandeln. Amazons Version AZW ist leicht abgeändert und enthält vor allem ein eigenes DRM.

Die Software Calibre ist bestens dafür geeignet, die unterschiedlichen Dateiformate auf dem PC oder Mac zu verwalten und in das jeweils gewünschte andere Format umzuwandeln. Von Calibre aus können die verschiedenen E-Books auch auf die unterschiedlichsten Reader gespielt werden, sogar auf das iPhone oder den iPad (via Stanza auf dem mobilen Gerät). Allerdings gelingt dies nur mit nicht DRM-geschützten Dateien.

Portable Document Format

Gerade im wissenschaftlichen Umfeld ist PDF das am weitesten verbreitete Format für elektronische Texte, nicht nur bei elektronischen Zeitschriften, sondern auch bei E-Books. Der Vorteil von PDF liegt gerade bei der originalgetreuen Darstellung der gedruckten Version. Formeln, Grafiken, Fussnoten und das Gesamtlayout werden exakt wiedergegeben. Für die kleinen Bildschirme der meisten E-Book-Reader, die in der Regel einen 6-Zoll-Screen aufweisen, ist diese Form unpraktisch – wenn sie denn überhaupt wiedergegeben werden kann. Auf dem iRex Digital Reader oder dem Kindle DX mit 10- oder 9-Zoll-Bildschirmen können PDF-Dokumente recht gut gelesen werden. Die ersten Modelle der eReader verfügten noch über mangelhafte Funktionen, um ein PDF sinnvoll nutzen zu können. Mit geeigneten Rendering-Mechanismen und Zoom-Funktion lassen sich diese Dokumente auch auf kleineren Screens lesen, wie das Beispiel iPhone beweist. Die Betriebssystemversion 2.5 soll dem Kindle bessere Funktionalitäten zur Darstellung von PDF-Dokumenten bringen. Mit den grösseren Tablets, die mit dem iPad auf den Markt drängen, erhält das PDF weitere Vorteile.

Die Nutzung von E-Books

Die Umsatzzahlen der E-Books zeigen, dass im Jahr 2009 ein markanter Anstieg erfolgt ist. Gemäss Association of American Publishers wurden beeindruckend wachsende Umsatzzahlen erreicht:[9] 2006: $ 54 Mio; 2007: $ 67 Mio; 2008: $ 113 Mio; 2009: $ 169.5 Mio. Zudem zeigt eine Untersuchung von Forrester, dass der Amazon Kindle 2009 bei der Hardware eindeutig an der Spitze lag. In den USA beträgt der Anteil des Kindle an den verkauften Geräten 60%,  von Sony bei 35%, und 5% entfallen auf den Rest.[10] Angeblich sollen 2009 rund 3 Millionen Geräte verkauft worden sein. Für 2010 wird mindestens mit einer Verdoppelung der Zahlen gerechnet. Aber bei allem Optimismus der Marktbeobachter und der beteiligten Firmen bleibt der Verdacht, dass der Durchbruch herbeigeredet werden soll. Denn die E-Books machen selbst in den USA erst ein Prozent der Buchverkäufe aus (Gottschalk, E-Book). So ist es also auch zu Beginn des Jahres der E-Book-Reader noch nicht sicher, ob sich das neue Medium wirklich durchsetzen wird.

Im Wissenschaftsbereich sieht es schon eher danach aus, wie die Zugriffszahlen auf E-Books an der ETH-Bibliothek zeigen. Dabei ist zu beachten, dass bei dieser Statistik die Zugriffe auf die einzelnen Kapitel gezählt werden. Der Bestand der ETH-Bibliothek beziffert sich Ende 2009 auf rund 60‘000 lizenzierte elektronische Bücher, auf deren einzelne Kapitel eine Million Mal zugegriffen wurde. Im Vergleich dazu verzeichneten die elektronischen Zeitschriften der ETH-Bibliothek 2009 3.5 Millionen Zugriffe. Die Zeichen deuten darauf hin, dass den E-Books im Bereich STM (Science, Medicine, Technology) derselbe Siegeszug gelingen wird, wie den E-Journals vor einigen Jahren. Ob die E-Book-Reader von dieser Entwicklung profitieren werden, steht auf einem anderen Blatt.

Abb. 5: Nutzung von E-Books an der ETH-Bibliothek (kapitelweise)

Die Rolle des Zeitungsmarkts

Die Entwicklung im Zeitungssektor dürfte die massgebliche Rolle bei der Frage spielen, ob sich die Reader durchsetzen werden. In diesem Zusammenhang spricht man denn auch von eReadern, da es nicht nur um das Lesen von elektronischen Büchern, sondern auch von anderen Inhalten geht. Im Zeitungs- und Zeitschriftenbereich werden zurzeit neue Modelle entwickelt, die das Überleben der Branche sichern sollen. Meine These lautet deshalb, dass sich die Zukunft der eReader in diesem Sektor und nicht im Buchbereich entscheiden wird. Gefragt sind hier Geräte mit grösseren Displays, die sich auch zum Lesen von Zeitungsinhalten eignen, die multimedial angereichert werden. Der Trend geht sogar in die Richtung, dass die News aus dem Newsroom des Verlagshauses über verschiedene Publikationskanäle veröffentlicht werden. Text, Bild und Multimedia vermischen sich. Mobile Geräte, die diese Inhalte gut wiedergeben können, sind also im Vorteil.

Weiter sind vor allem neue Geschäftsmodelle gefragt, welche dafür sorgen sollen, dass mit hochwertiger tagesaktueller Information Geld verdient werden kann. Die kostenlosen Pendlerzeitungen konkurrenzieren und die kostenlosen Webangebote der Zeitungen kannibalisieren die Qualitätsblätter und den Recherchejournalismus. Hier besteht die Hoffnung, dass elektronische Versionen mithelfen, Kosten in der Produktion und beim Vertrieb zu senken. Ob sich die Konsumenten davon überzeugen lassen, dass sie für die qualitativ hochstehenden elektronischen Produkte einen angemessenen Preis bezahlen müssen, ist jedoch unklar. Sicher ist nur, dass 2010 die Weichen gestellt werden. Und dabei spielt die verfügbare Hardware eine wichtige Rolle. Kurz nach dessen Lancierung brachte das Computermagazin Wired eine multimedial angereicherte Version für das iPad heraus.[11] Sie bietet die Möglichkeit, Illustrationen zu drehen und Videos aufzurufen. Auch das Time Magazine bietet eine Applikation für das iPad an, das den Kauf einzelner Ausgaben erlaubt, die multimedial angereichert sind. Die Zürcher Tageszeitung Tages-Anzeiger hat zusätzlich zur kostenlosen iPad-App – mit den Inhalten der Webausgabe – eine iPad-Version mit allen Inhalten der gedruckten Version angekündigt, die für Abonnenten der Zeitung gratis sein soll oder separat abonniert werden kann. Es ist damit zu rechnen, dass die neue Plattform noch viele vergleichbare Anwendungen hervorbringen wird. Zudem sind mehrere grossformatige eReader angekündigt, die sich besonders für die Darstellung von Zeitungsinhalten eignen dürften: erwartet wird insbesonders der QUE von Plastic Logic. Doch die neusten Meldungen zeigen, dass die Verlagsbranche auf das attraktive Zugpferd iPad zu setzen scheint.[12]

Abb.6: Die für 2010 angekündigten QUE (links) und Skiff Reader (rechts, mittlerweile eingestellt)

Dem Pessimismus der Buchhändler steht der ungebrochene Optimismus der Hersteller von eReadern gegenüber. Nebst den erwähnten grossformatigen Skiff und QUE sind in 2010 zahlreiche Geräte angekündigt oder bereits erschienen. Diese dedizierten E-Book-Reader , wie z.B. der Cool-Er oder der günstige Kobo Reader, basieren alle auf der E-Ink-Technologie. Einige verfügen über einen Touchscreen, der aber zum Beispiel beim Sony Touch Einbussen bei der Lesbarkeit des Bildschirms mit sich bringt. Und im Vergleich zur Mulittouch-Technologie des iPhone und anderer Smartphones bieten diese Touchscreens eher rudimentäre Funktionen. Modelle wie der NOOK von Barnes & Noble oder der Alex eReader versuchen eine Kombination von eInk-Anzeige mit einem zusätzlichen kleineren Touchscreen zur Navigation. Allerdings überzeugen diese Konzepte bezüglich Usability nicht wirklich. Das iPhone hat bei der Bedienung von Mobilgeräten einen Standard gesetzt, der von den E-Book-Readern nicht annähernd erfüllt wird. Deshalb lohnt es sich, die Smartphones als eReader zu betrachten.

Smartphones als eReader

Beim Scheitern der ersten Generation E-Book-Reader wurde die Konkurrenz durch die mulitfunktionalen Handhelds als Grund aufgeführt. Fünf Jahre später ist diese Konkurrenz noch viel weiter entwickelt und entsprechend ein wichtiger Gegenspieler der dedizierten E-Book-Reader geworden. Das Argument gilt nun noch stärker, dass (fast)  niemand ein zusätzliches grösseres Gerät mit sich herumtragen will, wenn sein multifunktionales Smartphone sich doch auch zum Lesen digitaler Inhalte eignet. Wenn man die Möglichkeiten des iPhone mit den gängigen E-Book-Readern der zweiten Generation vergleicht, schneidet dieses tatsächlich in vieler Hinsicht besser ab (vgl. Mumenthaler, iPhone).

Die technischen Möglichkeiten für die Darstellung von E-Books mögen bei anderen Smartphones vergleichbar sein, doch bietet das iPhone ein unvergleichlich grösseres Angebot an E-Books und auch zahlreiche Applikationen, die für den Kauf, die Verwaltung und das Lesen der elektronischen Bücher eingesetzt werden können.

Das Angebot an E-Books für das iPhone ist insgesamt grösser als für jeden einzelnen dedizierten E-Book-Reader. Dank sogenannter Apps kann auf das vollständige Angebot von Amazons Kindle-Store, auf die über 1 Million E-Books im Store von Barnes and Noble, auf hunderttausende frei verfügbare ältere Bücher und auf zahlreiche weitere Plattformen zugegriffen werden. Zudem ist die Applikation iBooks, die ursprünglich für das iPad entwickelt wurde, mittlerweile auch für das iPhone erhältlich. Das iPhone bietet zusätzlich noch die Möglichkeit, dass Verlage einzelne E-Books als eigenständige kleine Applikationen verkaufen.

Abb.7: Screenshot: Zugriff vom iPhone auf die E-Books-Bibliothek auf dem PC via Stanza

Dateiformate

Das iPhone kann mit Hilfe der unterschiedlichen Applikationen so ziemlich jedes Format lesen. Aber man braucht DocumentsToGo für Textdokumente und PDF, Kindle für Amazons azw-Formate, Stanza für EPUB etc. Die auch für das iPhone erhältlich App iBooks kann neben EPUB auch PDF-Dokumente darstellen. Die Verwaltung der Files und die Synchronisierung mit dem PC erfolgt dabei über iTunes.

Funktionen

Bei den Funktionen zum Blättern und Navigieren hat das iPhone die Nase vorn. Das iPhone setzt hier ganz klar Massstäbe, die dazu führen, dass viele Nutzer auch versuchen, den Kindle wie einen Touchscreen zu bedienen und über die bescheidenen Möglichkeiten des Sony Touch enttäuscht sind.

Gerade für die Nutzung im wissenschaftlichen Umfeld wäre es von entscheidender Bedeutung, dass die Texte annotiert werden können, dass Anmerkungen und Zitate in die eigentliche Arbeitsumgebung auf den PC übernommen werden können. Das ist weder beim iPhone noch bei den dedizierten E-Book-Readern wirklich der Fall. Beim iPhone ist ein Hindernislauf über verschiedene Funktionen und Applikationen nötig, um eine Anmerkung aus einem Text zu kopieren und in ein Word-Dokument zu übertragen. Und bei den E-Book-Readern bietet nur der Sony Touch (angeblich) eine Synchronisation von Notizen auf dem eReader mit Word auf dem PC. Offenbar macht hier aber das DRM öfters Schwierigkeiten.

Bildschirm und Akku-Laufzeit

Der kleine Bildschirm ist sicher ein Nachteil des iPhone gegenüber den 6-Zoll Bildschirmen von Kindle, Sony und anderen. Dafür ist er beeindruckend gut geeignet, um multimediale Inhalte darzustellen. Im Zeitalter der Medienkonvergenz ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Und umgekehrt ist gerade dies ein möglicherweise entscheidender Negativpunkt für die eInk-Technologie. Momentan dauert ein Seitenaufbau eine halbe Sekunde und ist begleitet von einem Flimmern. Das mag für Bücher noch kein Problem sein, sehr wohl aber für  multimediale Inhalte. Allerdings hat Sony im Frühjahr 2010 ein flexibles Farbdisplay (Sony Rollable OLED Display) präsentiert, das einen Film anzeigt, während es auf einen Stift gewickelt wird. Auf der Plusseite der eInk-Technologie ist ganz klar die extrem lange Laufzeit des Akkus, was wiederum ein Hauptmanko des iPhone darstellt.

Preis

Die Schmerzgrenze für eReader liegt bei 200 Euro, haben Kundenbefragungen ergeben. Wobei diese Grenze für die verschiedenen Kundensegmente unterschiedlich ist. Aber für den Durchbruch gerade bei jungen Leuten liegt sie wohl doch deutlich unter 200 Euro. Hier liegen die Vorteile klar beim iPhone. Es ist zwar bedeutend teurer, aber man kauft es nicht als eReader, sondern als Mobilphone, als mobiles Webdevice, als elektronische Agenda oder als mobile Gamestation.

Coolness-Faktor

Last but not least spielt auch der Coolness-Faktor eine wichtige Rolle. Auch die neueren E-Book-Reader wie der NOOK sind zu wenig „sexy“, um auch jüngere Generationen anzusprechen. Bis zur Einführung des iPad von Apple war das iPhone unbestritten das coolste Gadget der Gegenwart. Am ehesten könnten noch Smartphones mit dem offenen Betriebssystem Android Apples Produkte konkurrenzieren.

Fazit

Wie schon um das Jahr 2003, als die damals florierenden Handhelds die E-Book-Reader erster Generation bedrängten, weisen heute viele Vorteile auf die Smartphones als Gewinner in diesem Konkurrenzkampf. Natürlich bleibt das Argument bestehen, wonach wohl niemand Tolstojs Krieg und Frieden auf dem iPhone lesen möchte. Aber ein Bücherwurm wird dem ohnehin die Lektüre im schön gestalteten Hardcover Buch vorziehen. Und wie schon gesagt, entscheidend dürfte die Entwicklung im Segment Zeitungen und Zeitschriften sein. Und hier werden die Tablets ein entscheidender Faktor sein.

Tablets als eReader

Zu Jahresbeginn konnte man sich darüber streiten, ob das Jahr 2010 nun zum Jahr der E-Book-Reader oder zum Jahr der Tablets wird. Tatsache ist, dass nicht nur das iPad von Apple, sondern eine ganze Reihe von Tablets angekündigt worden sind. Noch vor der Präsentation des iPad stellte Microsoft den Courier vor, der in diesem Jahr auf den Markt kommen sollte. Auch HP kündigte ein Gerät namens Slate an, das auf der Basis von Windows 7 zum iPad-Konkurrenten hätte werden sollen. Weiter sind angeblich Tablet-Computer von Google, Samsung oder Nokia in der Entwicklung. Und in Deutschland sorgte die Ankündigung des WePad, bzw. WeTab als offene, auf Android basierende, Alternative zum proprietären System von Apple für Aufsehen.

Tablet-Computer sind keine Neuerfindung, sondern besetzen seit Jahren mehr oder weniger erfolgreich eine eher kleine Nische im Markt der Notebooks. Vielversprechende Ansätze sind auch Tablet-Netbooks, also speziell kleine und dadurch mobile Notebooks mit einer Touchscreen-Oberfläche, wie zum Beispiel der Eee PC Touch von Asus. Dabei handelt es sich um einen super mobilen portablen Computer mit Touchscreen-Oberfläche. Der Vorteil gegenüber den dedizierten E-Book-Readern ist die Multifunktionalität sowie die nahtlose Integration in die Arbeitsumgebung. Dies ist gerade für den Einsatz im Hochschulumfeld ein sehr wichtiges Argument. Und dabei liegen die Vorteile sicherlich beim Netbook, auch gegenüber dem Apple-Konzept um das iPad.

Abb.8: Screenshot: Eigenes E-Book im EPUB-Format in der Applikation iBook auf dem iPad

Wir haben oben Smartphones und E-Book-Reader miteinander verglichen. Mit dem iPad kommt hier eine neue Dimension ins Spiel, die das Gewicht stark zugunsten des Tablets verschiebt. Die beim Vergleich mit dem iPhone erwähnten Nachteile sind nun fast vollständig behoben: der Bildschirm ist gross und brillant. Ausser bei extremen Lichtverhältnissen lassen sich auf dem iPad elektronische Bücher einwandfrei lesen. Angebotsseitig bietet Apple im Bookstore für das iPad mehrere zehntausend englischsprachige Titel an. Zudem sind über die jeweiligen Applikationen für das iPad auch der gesamte Kindle Store von Amazon sowie der Store von Barnes & Noble nutzbar. Es ist damit zu rechnen, dass weitere Verlage auf den Zug aufspringen werden und somit mittelfristig ein sehr grosses Angebot nutzbar sein wird.[13]

Das iPad verfügt jedoch zusätzlich und in seiner praktischen Anwendung nicht zu unterschätzenden Stärke bei der Darstellung von PDF-Dokumenten. Zum einen bietet der 9.7 Zoll-Bildschirm eine akzeptable Grösse auch für Dokumente im A4-Format. Zum andern verfügt das iPad über ausgezeichnete Funktionalitäten zur Vergrösserung der Dokumente und zur Navigation. Im Praxistest erweisen sich sogar die wirklich sperrigen ePaper-Versionen von Tageszeitungen als sehr nützlich. Mit Hilfe der Multitouch-Oberfläche lassen sich gewünschte Ausschnitte schnell und einfach vergrössern. Es ist damit zu rechnen, dass noch viele Applikationen entwickelt werden, die genau diese Funktionen ausnützen. Als sehr nützlich erweist sich zum Beispiel die App GoodReader, mit der PDF-Dokumente heruntergeladen, organisiert und offline gelesen werden können. Der Austausch mit anderen Usern oder dem eigenen PC ist noch nicht einfach, aber ansatzweise über Plattformen wie Dropbox oder iWork.com von Apple bereits nutzbar.

Auch wenn Apples iPad noch viele Wünsche offen lässt und einige wichtige Funktionen vermissen lässt, eröffnet es neue Möglichkeiten. Obschon weder Laptop noch Smartphone noch eReader, scheint das Konzept bei den Kunden Erfolg zu haben.[14] Damit wird die Plattform umso interessanter für Entwickler von Applikationen, die neue Nutzungsformen nach sich ziehen werden, sowie für Anbieter von Inhalten, sprich Verlage.

Auswirkungen auf das Angebot der Bibliotheken

Die skizzierte Entwicklung beinhaltet für Bibliotheken – wie üblich – Risiken und Chancen. Wobei es für Bibliotheken eindeutig bessere und weniger gute Szenarien gibt. Sowohl Amazon wie Apple verfolgen eine Strategie des Vendor-Lock-in. Das heisst, dass Kunden möglichst langfristig und exklusiv an die Produkte der eigenen Marke gebunden werden. Das iPad dient dazu, die E-Books aus dem Apple-Bookstore zu kaufen, der Kindle erfüllt dieselbe Funktion erfolgreich für Amazon. Fremde Inhalte – oder aus Sicht des Kunden eigene Inhalte – finden den Weg nur über Umwege auf das Lesegerät. Es sind auch noch keine Geschäftsmodelle vorgesehen, in denen Bibliotheken eine Rolle spielen würden. Für Buchhändler und Bibliotheken wäre dies das Worst-Case-Szenario, wenn sich der Direktkauf durchsetzen würde und E-Books vom Einzelkunden nur direkt bei Apple, Amazon oder Google gekauft werden könnten.

Dagegen ist das gängige Lizenzmodell der Wissenschaftsverlage geradezu ideal für Bibliotheken, zumindest für Hochschulbibliotheken. Dieses von den grossen Anbietern wie Springer oder Wiley propagierte Modell sieht vor, dass die Hochschule (meist über die Bibliothek) eine Campuslizenz für die E-Books und E-Journals bezahlt. Die somit lizenzierten Titel können dann von allen Hochschulangehörigen ohne Einschränkung aus dem IP-Range der Hochschule heraus genutzt werden. Für die Bibliotheken stellt sich in diesem Modell vor allem die Frage, wie der Hochschulangehörige merkt, dass er diese Dienstleistung der Bibliothek zu verdanken hat und nicht meint, er kriege diese Inhalte einfach so und umsonst.

Allerdings erschweren die Verlage einen massenhaften Download von E-Books dadurch, dass sie die Texte in Kapitel aufteilen, die dann einzeln heruntergeladen werden können, bzw. müssen. Weiter erschwert wird die Nutzung – auch die legale – dadurch, dass diese kapitelweisen Downloads allesamt den gleichen, neutralen Dateinamen (z.B. fulltext.pdf) erhalten. Dadurch wird die Organisation der einzelnen Files auf dem PC zu einer Geduldsprobe, die alles andere als kundenfreundlich ist. Hier müssen die Verlage ihr Angebot unbedingt attraktiver gestalten. Ideal wäre es, wenn die Metadaten in die Dokumente eingebettet und mitgeliefert würden, wie man es vom Musikbereich her kennt.

Gerade das iPad haucht diesem Lizenzmodell und Angebot neues Leben ein. Das iPad unterstützt wie schon das iPhone die Internetverbindung via Virtual Private Network (VPN). Dadurch kann man von unterwegs über WLAN aus dem IP-Range der eigenen Hochschule auf die Verlagsangebote zugreifen, diese Daten online beziehen und lokal speichern. Die Vorzüge des iPad bei der Nutzung von PDF-Dokumenten wurde schon beschreiben. Was oben als Wunschliste an die Verlage geschildert wurde, bleibt weiterhin ein Desiderat. Aber es müsste im ureigensten Interesse der Verlage und der Bibliotheken liegen, die Nutzung in der geforderten Weise zu vereinfachen.

Künftige Modelle, die weitgehend auf schon bekannten Grundlagen beruhen, sind natürlich einfacher zu formulieren als komplett neue. Schwieriger wird es also, wenn man versucht, Szenarien und Lösungsansätze für den Umgang mit E-Books in öffentlichen Bibliotheken zu skizzieren. Hier dürften belletristische Werke das wichtigste Medium sein, das aber auch im Fokus der kommerziellen Anbieter steht. Die Konkurrenz zum stets verfügbaren Online-Store, der die gängigen Titel ohne Verzögerung zum Download zur Verfügung stellt, scheint momentan eindeutig gegen die Bibliothek und auch gegen den traditionellen Buchhandel zu sprechen. Doch es gibt einige innovative Ansätze, die zu berechtigter Hoffnung Anlass geben.

Da wäre einmal die Onleihe. E-Books werden nach dem bekannten Prinzip auf eine bestimmte befristete Dauer an jeweils einen Kunden ausgeliehen. Das tönt zwar anachronistisch, doch bietet dieses Geschäftsmodell den Bibliotheken eine aktive Rolle und dem Kunden den Vorteil des geringen Preises. Denn die Preispolitik der Verlage dürfte eine gewichtige Rolle bei der Akzeptanz des Angebots seitens der Kunden spielen. Zurzeit bewegen sich die E-Books – ausser bei Amazon – generell auf dem Niveau des günstigsten Print-Angebots. Und das ist angesichts der Einschränkungen bei der Nutzung durch das DRM vielen Kunden zu teuer. Eine Studie an einer US-Universität hat gezeigt, dass die Kosten für einen Studierenden erheblich höher wären, würde er komplett auf E-Books umstellen. Denn bei den gedruckten Büchern holen die Studierenden durch den Weiterverkauf der Lehrbücher jeweils einen Teil der Ausgaben wieder herein. Das entfällt bei den DRM-geschützten E-Books, die nicht weitergegeben werden können.

Die Onleihe kann auf verschiedene Arten umgesetzt werden. Kleinere Bibliotheken werden sich vorzugsweise an einen Anbieter wenden, der ihnen die Plattform zur Verfügung stellt. NetLibrary von OCLC wäre hier zu nennen, oder – naheliegender – die Plattform Onleihe verschiedener deutscher Stadtbibliotheken.[15] Dieser Dienst wird von der DiViBib GmbH, einem Tochterunternehmen der ekz.bibliotheksservice GmbH, angeboten. Sonys E-Book-Reader unterstützen diese Form der Onleihe. Die Rechteverwaltung und Authentifizierung erfolgt mit Hilfe der Software Adobe Content Server, bzw. kundenseitig via Adobe Digital Editions. Ein über das Konto bei der eigenen Stammbibliothek ausgeliehenes E-Book kann dann für acht Tage auf dem Reader und dem PC gelesen werden. In den USA bietet die Firma Overdrive ausleihbare E-Books für Bibliotheken samt der benötigten Plattform und dem Service an.[16] Neben dem Download zur temporären Nutzung auf dem PC oder dem eReader bieten diese Dienstleister meist auch einen vom PC aus nutzbaren Online-Reader an.

Ein mögliches neues Dienstleistungsangebot einer Hochschulbibliothek könnte darin bestehen, dass den Studierenden eReader verbilligt abgegeben werden, für die die Bibliothek E-Books für das jeweilige Fachgebiet bereitstellt oder schon aufs Gerät lädt. Dafür müssten aber noch lizenzrechtliche Probleme überwunden werden. Noch sind die Verlage eher skeptisch und dürften allenfalls Hand für ein begleitetes Pilotprojekt bieten. So wird der Kindle DX auch erst testweise in den USA auf diese Weise eingesetzt. Grundsätzlich dürften sich aber offene Angebote, die sich also nicht auf eine Plattform oder einen Gerättyp beschränken, durchsetzen. Entsprechend sollten Bibliotheken tendenziell Services entwickeln und anbieten, die von beliebigen Endgeräten aus nutzbar sind. Die Kunden werden sich erfahrungsgemäss  nicht von der Bibliothek vorschreiben lassen, welchen Typ Gerät sie verwenden sollen. Am zukunftsträchtigsten scheint mir ein umfassendes Angebot von frei nutzbaren E-Books in den wichtigsten Formaten direkt im Bibliothekskatalog. Die Nutzer können dann das gewünschte Format direkt auf ihren PC, ihr Tablet oder ihren E-Book-Reader herunterladen.

Denkbar sind noch weitere Anwendungen. An der Frankfurter Buchmesse 2009 präsentierte Blackbetty Mobilmedia Terminals zum Download von  E-Books im mobilen Format fürs Handy via Bluetooth – eine Dienstleistung, die durchaus auch in einer Bibliothek angeboten werden könnte.[17] Wobei auch hier die Grundregeln des Marketing gelten und man sich zunächst überlegen muss, welche Zielgruppe man mit einer geplanten neuen Dienstleistung ansprechen will.

Fazit

Angesichts der noch völlig unsicheren Entwicklung im Bereich der E-Book-Reader, eReader und Tablets sind Prognosen äusserst schwierig. Das E-Book hat sich – im Gegensatz zur elektronischen Zeitschrift – auch im wissenschaftlichen Bereich noch nicht durchgesetzt. Hier ist allerdings schon bald damit zu rechnen, vor allem, wenn die Angebote der Verlage kundenfreundlicher werden. Wenn dann auch noch die mobilen Geräte über die für die tägliche Arbeit mit elektronischen Texten benötigten Funktionen (Metadatenverwaltung, Annotationsmöglichkeit, Integration in Reference Management, Integration in die persönliche Arbeitsumgebung, Integration in die Cloud usw.), dann könnte der Durchbruch sehr schnell erfolgen. Bei der Belletristik könnte sich das E-Book als Konkurrent zum Taschenbuch durchsetzen – nicht nur aus Kundensicht, sondern auch als verlagsseitiges Geschäftsmodell. Allerdings darf die elektronische Variante eine gewisse Schmerzgrenze bei den Preisen nicht überschreiten. Deshalb könnte das E-Book als günstige Zweitverwertung nach dem teuren Hardcover für Kunden und Verlage attraktiv werden.

Im Konkurrenzkampf zwischen Tabletes und dedizierten E-Book-Readern zeichnet sich ab, dass letztere nur als deutlich günstigere Alternative eine Chance haben. Entsprechend haben nach dem Erscheinen des iPad viele Hersteller die Preise für die Reader massiv gesenkt. Das gilt für den neusten Kindle sowie ein neues Modell das NOOK.

Für die Bibliotheken bedeuten diese ungewissen Perspektiven, dass sie sich auf verschiedene Szenarien vorbereiten müssen. Es ist ratsam, sich Gedanken über mögliche neue Dienstleistungen für Nutzer mit mobilen Lesegeräten zu machen – seien es nun dedizierte E-Book-Reader, Netbooks, Smartphones oder Tablets. Und es lohnt sich, dies nicht allein für sich, sondern in Kooperation mit anderen Bibliotheken und mit Verlagen zu tun.

 

Literaturverzeichnis

Auletta, Ken: Publish or Perish. Can the iPad topple the Kindle, and save the book business. In: The New Yorker, 26.4.2010. http://www.newyorker.com/reporting/2010/04/26/100426fa_fact_auletta (besucht am 3.5.2010).

Gottschalk, Felix: E-Book: Ein Talent entwickelt sich nicht von selbst! DB-Research vom 12.11.2009. Beitrag zugänglich über das Archiv in der Rubrik eResearch auf www.db-research.de.

Griffey, Jason: Gadgets and Gizmos: Personal Electronics and the Library. Library Technology Reports. American Library Association 2010.

Mumenthaler, Rudolf: Das iPhone als eReader. In: Trau keinem über 30? Die TUB wird 30! Kolloquium über eBooks und die Zukunft der Bibliothek anläßlich des 30-jährigen Bestehens der Universitätsbibliothek der TU Hamburg-Harburg. Herausgegeben von Thomas Hapke. Hamburg-Harburg 2010, S. 27-40. urn:nbn:de:gbv:830-tubdok-8459.

Ricker, Thomas: PVI’s color E-Ink displays are a perfect match for Kindles. Veröffentlicht am 19. März 2010 auf engadget. http://www.engadget.com/2010/03/19/pvis-prototype-color-e-ink-displays-are-a-perfect-match-for-kin/

Tischer, Wolfgang: Good Bye, eBook! Gemstar gibt auf. In: Literatur-Café vom 17.5.2003 http://www.literaturcafe.de/bf.htm?/ebook/byeebook.shtml (besucht am 3.5.2010).


[1] Vgl. dazu die umfassende Dokumentation im Mobileread-Wiki: wiki.mobileread.com/wiki/E-book_devices (besucht 3.5.2010)

[2]  Vgl. dazu den Artikel zu E-Books in Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/E-Book oder im Mobilread Wiki: http://wiki.mobileread.com/wiki/Sony_Librie (besucht 3.5.2010)

[3] Vgl. dazu den Artikel Elektronisches Papier in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Elektronisches_Papier

[4] Die Displays werden von der Firma PVI (Prime View International) aus Taiwan hergestellt, die 2009 die US-Firma E Ink übernommen hat.

[5]  Kindle: Revolutionärer Bücher-iPod von Amazon? In: Winfuture vom 19. November 2007, online: http://winfuture.de/news,35866.html

[6] Vgl. dazu meinen Beitrag im Blog Innovation@ETH-Bibliothek http://blogs.ethz.ch/innovethbib/2009/04/01/erfahrungen-mit-dem-kindle-1/

[7] Dazu der Beitrag im Blog: http://blogs.ethz.ch/innovethbib/2009/04/07/kindle-2-im-test/ Im Sommer 2010 bringt Amazon ein überarbeitetes Nachfolgemodell zu deutlich günstigerem Preis auf den Markt.

[8] Die Spezifikationen sind frei zugänglich unter http://www.idpf.org/specs.htm

[9] Bei den Zahlen für 2006-2008 handelt es sich um Schätzungen der AAP für die gesamte Branche. Quelle: http://techcrunchies.com/us-ebook-sales/

[10] Quelle:DB Research, Think Tank der Deutsche Bank Gruppe. www.db-research.de

[12] Dazu gehört auch die Meldung vom 14. Juni 2010, wonach News Corp. Skiff gekauft hat, jedoch nur an der Plattform interessiert ist und den angekündigten grossformatigen Skiff Reader einstellt. http://www.skiff.com/press.html. Da sich auch die angekündigte Auslieferung des QUE auf unbestimmte Zeit verzögert hat, mehren sich Mitte des Jahres die Gerüchte, wonach auch das Produkt von Plastic Logic gar nie erscheinen wird.

[13] Diesen Trend bestätigt die Meldung, wonach Google unter dem Namen Google Edition im Juli einen Inernet-Buchladen eröffnen wird, dessen Titel auch auf dem iPad gelesen werden können. (Meldung in Spiegel Online vom 5.5.2010).

[14] Schon nach 59 Tagen hat Apple 2 Millionen iPads verkauft – verglichen mit den 3 Millionen verkauften eReadern in 2009.

[15] Zu finden unter der URL: www.onleihe.net (besucht 5.5.2010)