27 Der Browser als eReader

veröffentlicht am 7. Februar 2011

Es soll uns ja nicht langweilig werden. Kaum hat sich die Diskussion von den E-Book-Readern zu den Tablets als eReader der Zukunft verlagert, tritt ein neuer Ansatz auf die Bühne: der Browser als eReader.

Google Books

Google Books  gehen bereits in diese Richtung. Google Books bietet eine persönliche Online-Bibliothek, in die ich die von mir gekauften oder kostenlos bezogenen E-Books (My Google eBooks) abspeichere. Wobei vorläufig der Kauf von neuen Titeln erst in den USA möglich ist.

Screenshot von Google Books mit geöffnetem E-Book im EPUB-Format

Ich kann dann im Browser das E-Book  öffnen und mit einfachen Navigationselementen blättern. Wie in einem E-Book-Reader stehen die Elemente Inhaltsverzeichnis, Schriftgrösse ändern und Suche zur Verfügung. Auf die Bibliothek habe ich auch mobil Zugriff. Für verschiedenste Plattformen (Android, iPhone, iPad, Nook, Sony) gibt es eine Google Books-App, mit der ich praktisch die gleichen Möglichkeiten wie im Webbrowser habe.

Grundsätzlich sind diese E-Books in der Online-Bibliothek gespeichert, also in der Wolke. Aber Google ist nicht allein mit diesem Ansatz.

Die Plattform Booki.sh

Die australische Firma Inventive Labs (www.inventivelabs.com.au)  hat basierend auf HTML5 die Plattform Booki.sh (http://booki.sh) entwickelt, die ebenfalls E-Books in the Cloud anbietet. Das Prinzip ist ganz ähnlich wie bei Google Books. Allerdings lassen sich auf Booki.sh auch eigene, DRM-freie E-Books im EPUB-Format hochladen und dann von überall her mobil nutzen. Bisher ist der australische Bookstore von Readings angebunden, dessen E-Books über die Plattform gekauft und online gespeichert werden. Der Nachteil einer reinen Online-Speicherung liegt auf der Hand: die E-Books könnten eigentlich nur dann gelesen werden, wenn das Device eine Internetverbindung hat. HTML5 soll aber dank der Funktionalität des Offline Caching ermöglichen, dass die E-Books auch ohne aktive Internetverbindung zugänglich sind.

Auch Booki.sh bietet im Browser die für einen eReader üblichen Funktionen an. Blättern, setzen von Bookmarks, Suche, Inhaltsverzeichnis. Die Plattform ist über (fast) jeden Browser bedienbar, der HTML5 unterstützt – der Internet Explorer ist hier noch ungenügend. Aber dafür lässt sich Booki.sh auch vom iPhone und iPad aus einsetzen. Es lässt sich aus dem Browser ein Home-Button generieren, der fast wie eine App aussieht. Das Caching und die offline-Nutzung sind prinzipiell möglich, doch muss das E-Book im Browser geöffnet sein, wenn die Verbindung abbricht. Ohne Internetverbindung lässt sich ein E-Book nicht wieder öffnen.

Screenshot vom iPad mit im Browser geöffnetem E-Book im EPUB-Format samt Navigationselementen

Der Ansatz ist interessant, hat aber noch einige Schwächen. So kann man beispielsweise keine Annotationen machen. Auf dem iPad lassen sich zwar Textstellen kopieren und dann in einer anderen Anwendung bearbeiten, aber mehr liegt nicht drin. Eine weitere Schwäche besteht darin, dass man die E-Books nicht herunterladen kann und somit der Zugriff von der Verfügbarkeit der Plattform abhängig ist. Es wäre also sehr von Vorteil, wenn der Host dieser Cloud zuverlässig und dauerhaft ansprechbar ist. Ich überlege mir aber gerade, ob nicht das eine Aufgabe für eine Bibliothek sein könnte? Wenn wir diese Daten hosten würden, über IP oder Anmeldung unseren Nutzer darauf Zugriff geben könnten?

Bin ich einfach zu altmodisch und habe zu wenig Vertrauen in die Cloud? Bei aller Faszination dieses Ansatzes ist es mir doch lieber, wenn ich die Daten (auch) lokal speichern kann.